Franz Joseph von Herz zu Herzfeld
 

 

Franz Joseph Herz wurde als Sohn eines Weinwirts in der schwäbischen Fuggerresidenz Babenhausen geboren. Aufgrund seiner guten schulischen Leistungen durfte er den jungen Rupert Anton Joseph Fugger Graf von Kirchberg und Weissenhorn (1683–1724) zum Philosophiestudium nach Salzburg begleiten; er hatte mit seinem gräflichen Studienkollegen die Lektionen zu üben und ihn bei Tisch als famulus zu bedienen. Am 1. Dezember 1699 schrieben sich Fugger und Herz in das Matrikelbuch als Hörer der Logik ein.

 

 

Matrikeleintrag von Rupert Anton Joseph Fugger Graf von Kirchberg und Weissenhorn und Franz Joseph Herz (1. Dezember 1699)

UAS, bA 1, p. 275r.

   
  Nach dem damals für alle Studenten obligaten Philosophiestudium begann Herz das Studium der Rechte und erwarb 1706 den Titel eines Licentiatus iuris. Daraufhin wurde er Konsistorial- und Hofgerichtsadvokat. Der Förderung des Fürsterzbischofs Johann Ernst Grafen von Thun verdankte Herz seine Beförderung zum Hofratssekretär. 1717 wurde er zum Doktor der beiden Rechte promoviert, gleichzeitig nahm er seine Lehrtätigkeit an der Universität auf. Herz hielt Vorlesungen über deutsches Staatsrecht, Natur- und Völkerrecht. Bei den Studenten erfreute er sich wegen seiner Gründlichkeit und seines leicht fasslichen Vortrages großer Beliebtheit. Seine Privatissima wurden auch vom hohen Adel frequentiert.

 

 

Sein Hauptwerk, die Historia civilis de quatuor mundi monarchiis, widmete Professor Herz im Jahr 1734 seinem Landesherrn, Fürsterzbischof Leopold Anton Eleutherius Freiherrn von Firmian. Das prachtvolle Widmungsexemplar ist in der Universitätsbibliothek Salzburg (UBS, R 1956 III) erhalten: Der rote Samteinband ist mit Stickereien und Applikationen aus Gold- und Silberdrähten versehen und zeigt am Vorderdeckel das Wappen des Fürsterzbischofs, der Hinterdeckel gibt in prächtiger Nadelmalerei das Herzschild der Firmian mit dem Ovid-Zitat „Finis coronat“ – „Das Ende krönt (das Werk)“ wieder. Das Buch  wird in einem sogenannten Buchkasten aufbewahrt, der zum Transportieren von Büchern diente. Dieser Buchkasten stammt aus dem Ende des 15./Anfang des 16. Jahrhunderts, ist 52cm hoch, aus Holz gefertigt, mit Leder überzogen und mit Blindstempeln verziert.

 

        

 

  Dargelegt wird die Geschichte des Zivilrechts und zwar nach der Vision des Propheten Daniel in der Abfolge der vier Monarchien – die Bibel wurde damals auch als Geschichtsbuch gelesen. Die Weltreiche der Babylonier, Perser und Makedonen seien vom Römischen Reich abgelöst worden, das über das Oströmische Reich in Byzanz und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bis in die Gegenwart des Autors fortbestünde.  

 

   
   

Das Spannende: Auf die Erzählung der Geschichte folgen stets rechtsethische Fragestellungen, zum Beispiel: „Waren die Kriege der Römer gerecht?“ Argumente dafür und dagegen werden aufgereiht, im Wesentlichen der Zivilisierungsprozess dem hohen Blutzoll gegenübergestellt. Im Krieg fallen Gerechte und Ungerechte – das kann der Jurist nicht gutheißen: Iusque datum sceleri, zitiert Herz den römischen Dichter Lukan, noch in jedem Krieg „wurde das Rechte dem Verbrechen ausgeliefert.“

Das Werk besticht auch durch den abschließenden Fragenkatalog für die Studenten des Professors, ein hervorragender Leitfaden, der die wichtigsten Gedankengänge einprägsam nachvollziehen lässt. Der Prüfungsmodus ist geradezu modern: Gezielt wird nicht nur auf die Kenntnis von Daten und Fakten, sondern auf die Beurteilungsfähigkeit der Studenten, die ja auch heute wieder die höchste Lernzielebene in der Pädagogik ist.

ß Titelkupfer der „Historia civilis“ mit dem Porträt von Erzbischof Firmian

 

  Der beliebte und erfolgreiche Rechtsprofessor wurde am 10. August 1733 mit dem klangvollen Prädikat „von Herz zu Herzfeld“ in den Adelsstand erhoben und starb am 8. November 1739. Im Universitätsarchiv hat sich sein Nachlassinventar erhalten (UAS, A 7.12), aus dem sich die barocke Lebenswelt des Professors rekonstruieren lässt. Er besaß eine repräsentative Gemäldesammlung und eine großartige Bibliothek, aber auch Galanterieobjekte, wie eine Schnupftabakdose aus Schildkrötenpanzer, und sogar einen Totenkopf, der ihn an die Vergänglichkeit des Irdischen erinnern sollte.

 

 

 

Quellen:

Redlich, Virgil: Die Matrikel der Universität Salzburg 1639 – 1810. – Salzburg 1933.

Sattler, Magnus: Collectaneen-Blätter zur Geschichte der ehemaligen Benedictiner-Universität Salzburg. – Kempten 1890.

 

Universitätsarchiv Salzburg

Christoph Brandhuber, März 2010

http://www.ubs.sbg.ac.at/uniarchiv/