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  UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK SALZBURG
 
Abteilung für Sondersammlungen
 

 

ULRICH SCHREIER - VORBESITZER und IKONOGRAPHIE

Die Handschriften M II 316-317 (Provenienz: Bibliothek der Bischöfe von Chiemsee) zählen mit ihrer Datierung um 1461 zu den ältesten Ulrich Schreier zuzuordnenden Codices der Universitätsbibliothek Salzburg. Ulrich von Plankenfels war von 1453 bis 1467 Bischof von Chiemsee, ob er allerdings auch der Auftraggeber der Manuskripte war, lässt sich nicht beweisen. Schreier tritt in beiden Codices noch nicht als Einbandkünstler, sondern ausschließlich als Buchmaler in Erscheinung. Während in M II 316 noch alle Deckfarbeninitialen erhalten sind, wurde aus M II 317 ein Großteil der Miniaturen herausgeschnitten. Zu den frühen Auftraggebern Schreiers ist auch Erhard Manseer (1467-1473 Viceplebanus der Dompfarre in Salzburg; Mönch von St. Peter/Salzburg, Profess 1475; später Abt von Seeon) zu zählen: Die Handschriften M II 142 und M II 152 überliefern Sammlungen medizinischer Texte und wurden beide in der Werkstatt Schreiers mit einem Einband versehen, besitzen aber keine Illuminierungen. Manseer nennt sich in beiden Codices als Viceplebanus, die Entstehung der Bücher ist also während seiner Amtszeit in der Dompfarre anzusetzen.

Dem bibliophilen Erzbischof Salzburgs Bernhard von Rohr (1466-1481) verdankt die Universitätsbibliothek eine bedeutenden Anzahl schön ausgestatteter Handschriften und Wiegendrucke. Mit der Datierung aus 1469 ist die medizinische Sammelhandschrift M III 45 der älteste Codex aus dem Besitz der UB Salzburg, den der Erzbischof in der Werkstatt Ulrich Schreiers mit Buchschmuck und stempelgeschmücktem Einband versehen ließ. Zwölf der insgesamt 13 Bände Bernhards sind durch sein Wappen und/oder seine Devise Unica spes mea eindeutig dem Erzbischof zuzuordnen, das Manuskript M I 146 kann lediglich aufgrund latenter Informationen ihm als Vorbesitzer zugeschrieben werden, M II 128 ist entweder im Besitz des Erzbischofs oder Erhard Manseers gewesen. Ob auch das mit Buchmalerei geschmückte Bibelfragment M III 46 Bernhard von Rohr als Auftraggeber hatte, kann nicht zweifelsfrei entschieden werden.

Ein Magister Johannes Walgundsperger begegnet uns als Vorbesitzer der Inkunabeln W II 11, W II 60, W II 61, W III 54, W III 58, W III 103 und W III 219. Drei (W II 61, W III 58 und W III 219) ließ er vermutlich selbst bei Ulrich Schreier Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre des 15. Jh. binden, der Einband der übrigen ist zwar in einigen Elementen wie Diagonalbändern mit Flechthakenwerk und Rosetten dem Stil Schreiers ähnlich, scheint aber auf den ersten Blick nicht aus dessen Werkstatt zu kommen. K. Holter (Salzburg, Mondsee, Wilhering. Beiträge zur Geschichte des spätmittelalterlichen Bucheinbandes, S. 46) weist diese Einbände einem Salzburger Buchbinder zu, der auch für Bernhard von Kraiburg arbeitete. Irritierend ist allerdings, dass in sechs der oben genannten Wiegendrucke identische Handschriftenmakulatur zu finden ist, ein Umstand, der eigentlich auf die Herkunft aus einer einzigen Werkstatt schließen lässt (Wasserzeichen des Spiegels in W II 11: Waage im Kreis, Piccard V,524=Salzburg 1484). Außerdem sind fünf Bände mit gleich geformten Stehkanten und Schließenbeschlägen ausgestattet. In W II 60 (Guillelmus Paraldus, Summa de virtutibus, um 1475; Hain 12383) ist zudem auffallend, dass die Eingangsinitiale mit figuraler Darstellung im Binnengrund sich deutlich an den Schreierschen Federzeichnungen orientiert, jedoch mit Gewissheit nicht von seiner Hand stammt, das gleiche gilt für die Illuminierungen in W III 54. Die Eingangsinitiale in der Inkunabel W III 141 wiederum ist mit einer für Schreier typischen Maske geschmückt, auch deren Einbandstempel gehören zu dieser Gruppe. Schreier hielt sich in den achtziger Jahren mehrmals in Wien auf, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass er seine Salzburger Werkstätte gänzlich auflöste. Die Annahme, dass es sich hier um die Stempel der Schreier-Werkstatt der achtziger Jahre des 15. Jh. handelt, wird auch noch gestützt durch einen Eintrag des Regensburger Kanonikers Ulrich Sattners in der Handschrift M II 369 aus dem Jahr 1479. Die Stempel des Einbandes sind vergleichbar mit den oben genannten Inkunabeln Walgundspergers, rubriziert wurde der Wiegendruck von Sattner, der als Schreiber und Rubrikator in den Diensten des Erzbischofs Bernhard von Rohr stand, es ist demnach nicht unwahrscheinlich, dass M II 369 für den Erzbischof rubriziert und gebunden wurde. Damit wären die ersten Spuren zu einer Salzburger Werkstatt Ulrich Schreier IV (ca. 1478 bis 1488) gefunden (vgl. Stempeltabellen, Gruppe IV).

 

Vorbesitzer

 

Berchtesgaden, Fürstpropstei

W II 97 (Zuschreibung ungesichert)

Bernhard von Kraiburg (B von Chiemsee)

M II 349, W III 24

Bernhard von Rohr (EB von Salzburg)

M I 23, M I 37, M I 146 (?), M II 17, M II 20, M III 21, M III 45, M III 67; W III 38

Bischöfe von Chiemsee, Bibliothek

M II 316-317, M II 327, W II 61, W III 20, W III 155, W III 156

Erhard Manseer (Viceplebanus d. Dompfarre in Szbg.)

M II 142, M II 152

Georg Altdorfer (?) (B von Chiemsee)

W III 155

Georg Peltell von Schönberg (Propst von Preßburg)

W II 438, W III 36

Johannes Walgundsperger

W II 61, W III 58, W III 219

Mülln, Augustiner-Eremitenkloster

W III 21, W III 309

Salzburg, Domkapitel

M III 48

Salzburg, Erzbischöfliche Hofbibliothek (BAS)

M II 128, M II 142, M II 152; W II 57 (Zuschreibung ungesichert), W III 37, W III 141

Schloss Mittersill

W III 36

Unbekannt

M III 46, W II 299 (Zuschreibung ungesichert)

 

Ikonographie

 

Affe

M II 17

Andreas, hl.

M III 21 (Zuschreibung fraglich)

Bischof

W III 38/4

Christus

W III 38/1

David mit Triangel

M III 21

Dudelsackspieler

M II 17

Eichhörnchen

M II 17

Fliege

W III 36

Florale Motive

M I 23, M I 37, M III 21, M III 46; W III 24, W III 37, W III 38, W III 58, W III 155, W III 156, W III 219

Fuchs

M II 17

Geistlicher

W III 36

Geistlicher als Arzt

M II 17, M III 45, M III 67

Hund

M II 17, M III 45; W III 36

Jeremias

W III 37

Johannes, ev.

M III 46

Lesepult

M III 67

Löwe

M III 45

Mann mit Spruchband

M III 21

Maria mit Christuskind

M III 21 (Zuschreibung fraglich)

Masken

M I 23, M I 37, M II 17, M II 20, M II 316-317, M II 349, M III 21, M III 45, M III 46; W II 57 (Zuschreibung fraglich), W II 61, W II 438, W III 20, W III 24, W III 36, W III 37, W III 38, W III 39/3, W III 58,, W III 141 (?), W III 155, W III 156, W III 219, W III 309

Matthaeus, ev.

M III 46

Paulus II., Papst

W III 36

Siebenschläfer/Marder (?)

M III 45; W III 38/5 (Zuschreibung fraglich)

Vogel

M II 17, M III 45; W III 36; W III 38/2, W III 38/4

Wappen (Bernhard von Rohr)

M II 17, M II 20, M III 21, M III 45; W III 38/1-2

Wappen (Kugel auf Dreiberg)

W III 219

Wappen (Salzburg)

M II 17, M II 20, M III 21, M III 45; W III 38/1

Wappen (steigender Greif)

W II 438, W III 36

 

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