UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK SALZBURG

Handschrift M I 29 (Fechtbuch)

 

(1r) Besitzervermerk: Ecclesie Berchtolsgadensis Can. Reg. 1665.

(1r-2v) Martin Siber: Fechtlehre

(1r) Item dye hernach geschriebenn nüwe zettell hat gemacht und gesetz meinster Mertin Siber und ist ein zuck auß mangerley meinster gefechtenn und ist geteiltt und gesetz In sechs geng, und in der zittell ist der ochß und der pflug und scheyttell hauw nicht also als in der ersten zettell des puchs Sunder eyn ander uß legung. Nu hebt sich an dy vor rede und lere der zettell dar noch die sechß genng.

Wer ere will erwerbenn vor furstenn und vor herenn Im vechtenn mit dem Swertt, daz ist gutt und gerecht, der volge myner lere, der gesiget ymermere. Dy sechß genng halt in huott die sintt gar prißlich gutt, in den woll begriffen ist vil manges gutten meinsters list auß Ungern, Behem, Ytalia, auß Franckrich, Engellant und Almania, auß Rewßen, Prewßen, Gretia, Hollant, Profant und Swevia. In den soltu tretten linck, der verfurung do by gedennck, In stichenn starg dring, so mag dir wol geling. Sichstus venster offen stan, Si hinein, gee dar von, schlag oder stich schnell, So magstu hartt gevell in der arbeyt umb tritt daß egevertt mach mitt. Wiltu sie me hebenn an ein ein (!) starcken mustu han Recht vernunfft ist auch gutt, von großem zornn (1v) dich behutt, zu sollicher versatzung yn den pring, dar durch dir mag wol geling, In allem dinem vechten biß behende, dy vor lere hat ein ende.

 

Der erst gangck

Snell dy swech zum rechten

Durch wind im vechtenn

Den schneller do mit mach

Zu beyden sitenn zwiffach

Seins schilt starck verwindt

Den bogenn stos schlag geswinde

In aller arbeit umb tritt

Den rechtenn bogenn stos mitt

 

Der ander ganck

Krumb in dy sterck

Durch wind mit merck

Wind uberlauff / verwoppen ortt und knouff

Stich im zu dem gesichtt

Des crutz arbeitt mit vichtt

Des verfurtenn knouffs das soltu gedenckenn

Auff din haubt machstu yn krenckenn In

aller arbeitt umb tritt / daz egevertt mach mitt

 

(2r) Der tritt ganck

Schil waz von tag kumpt durch zwirch gein nit krumpt, dar in schauw sin sach, den haw schiller mit mach, nyms ab gar behende, droe den hauw wider in, den schiltt ym starck verdring, mit uberlouff in bezwing in der sterck siner klingenn, In aller arbeitt umb tritt, daz egevertt mach mitt.

 

Der virdt ganck

Den ochßenn durch stos

Mitt zwienn schrittenn groß

Windt und wider windt

Den scheitteller hauw mach geschwindt

windt / (!) Den treffer bald schlag in den buch und uff den nack. In aller arbeitt umb tritt daß egevertt mach mitt.

 

Der funfft ganck

Durch stich den langenn ortt

Zuck wider stich denn mortt

Den plintt hauw laß prellenn

So magtu gen wol wellenn

(2v) Heng wider also baldt

Hinder tritt wider schnall

Uff denn kopff in den buch

So machstu auß im ein rechtenn gauch

In aller arbeitt umb tritt

Das egevertt mach mitt.

 

Der sechst ganck

Vom tag lang durch var

Mit verwindenn dich bewar

Durch zwuerch ym gar baldt

Den plyntt hauw wider schnall

Den ortt hauw in sein brust

Noch allem dein verlust

In aller arbeitt umb tritt

Daß egevertt mach mitt.

 

Finis etc.

 


Literatur: A. Jungreithmayr, Spätmittelhochdeutsche Fachliteratur in Versen. In: Festschrift für Ingo Reiffenstein zum 60. Geburtstag. Hrsg. von Peter K. Stein u.a. Göppingen 1988 (GAG 478), S. 576-582.