Universitätsbibliothek Salzburg
R 104.488 I
Inventarium Doctors Theophrastens, wie er des Kriegs halber von Salzburg hinweck- aber hernach widerum kommen und in Salzburg gestorben, um 1770
Theophrastus Bombastus von Hohenheim, der sich später Paracelsus nannte, wurde 1493 in Einsiedeln in der Schweiz geboren. Er zog als Arzt durch weite Teile Europas, 1524/25 hielt er sich zum ersten Mal in Salzburg auf. In Basel wurde er 1527 Stadtarzt und damit verbunden Hochschullehrer, wo er - für seine Zeit durchaus ungewöhnlich - auch Vorlesungen in deutscher Sprache hielt. Paracelsus setzte sich oft in Widerspruch zu seinen Kollegen, diese Auseinandersetzungen waren auch der Grund, weshalb er Anfang 1528 Basel fluchtartig verlassen musste. Wanderjahre durch Süddeutschland, die Schweiz und Österreich folgten. 1540 kam er nach Salzburg zurück, wo er am 24.9.1541 starb. Das Grab des großen Gelehrten befindet sich im Sebastiansfriedhof, wo seine Gebeine seit 1752 in der Vorhalle der Sebastianskirche aufbewahrt werden.
Die Originalhandschrift des Inventars aus 1526 ist nicht mehr erhalten, die einzige Abschrift (ca. aus 1770) hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Sie war im Besitz des Pfarrarchivs Mülln und kam "zwecks sicherer Erhaltung" (Katalogeintrag) nach Schließung der Paracelsus-Ausstellung (Sept. 1941) an die damalige Studienbibliothek. 1946 wurde die Urkunde an das Benediktinerstift Michaelbeuern zurückgegeben.
Die Universitätsbibliothek Salzburg besitzt heute nur mehr eine fotografische Repoduktion des Inventars sowie die Transkription, die hier wiedergegen wird:
Doctors Theophrastens Inventarium, wie er des Kriegs halber von Salzburg hinweck- aber hernach widerum kommen und in Salzburg gestorben.
Anno ein tausend fünf hundert Sechs und
Zwainzig an Freytag nach Sanct Georgen Tag
ist auf Begehren des fürnemen weisen Michael
Seznagel, Hof Gericht-Schreiber hie zu Salzburg
die nachfolgunt Varnus, So dem Ehrwürdigen
Hochgelehrten Herrn Doctor Theophrastus
zugehört, der sein BstandHerberg in Wolfgan-
gen Buchlers Behausung bey der Kunfmüll
gehabt hat, und in den nächst Vergangen Kriegs
Lauffen weggezogen ist, beschriben worden in
beyseyn der Erbens Christophen Risen wirt,
Hansen und Wolfgangen der Räpl alß Bürger
zu Salzburg und Mathäusen Branstorffer
Stadt-Amtmann.
In den Stübl.
Zwey feuer bänck
Ein Contrefait Tüchl an der wand
des Doctor Bildnus.
Auf einer Stelle 31 Bücher glain
und groß und etlich unainge-
bunden Sechstern.
Zwey Trinck-Glässer.
Ein Mesinger Stock-Leichter.
In einem Kästl 4 Messingen
Bichsen und 5 Glässer, dann
etlich Salm und Wasser zu der
Arzney.
Item zwey Salm zu Pflastern
seynd zwey grosse Stück.
An der want ein Jungfraun
Angesicht auf einen Tüechl ge-
mahlt.
Ein Keißer (?)
Auf einem Brief ein gemahlt
Wappen.
Ein kleines Hülzen Astrologium
ist zerbrochen gefunden.
Zwey Sporn.
Item die Vorgemelten Bücher, die
zwey Salm und anders Vorge-
schribens seynd in ein Trücherl ge-
leget worden und Vorgemelter
Amtmann hat sein Petschafft darfür
gedruckt.
In der Kamer gegen den Stübl über.
Ein Tischl.
Ein Vogl-Rohr.
Ein lehre Truchen.
Etlich alte Glässer, Büchsen und
Scherm.
Auf einem kleinen Pergament der
Zirckl der Welt, auch Sonn und Mond
gemahlt.
Item Obgemelter Christoph Ris zeigt
an, alß bestimter Doctor weggezochen,
habe er seiner Mutter der Rißin die Schlüsl
zu seiner Herber zu behalten geben,
und nachdem er aber in der Vergangen
AufRuhr sogleich gestanden, hab er Riß
dem Doctor zu Gut seine Kleider in sein
Rissen behausung alß zu sicherer Ver-
wahrung behaltnusweiß bringen lassen
in Beyseyn Obbenanter Hansen und
Wolfgangen den Räpl alß Zeugen darzu
erbetten. Gemelter Doctor seye
ihm auch an der Zehrung noch ein Suma
Geld zu thun wolle er auch hiermit gemeld
haben und zu Gelegner Zeit anzeigen
und hat die Kleider benent, wie hernach steht.
Item ein Leberfarber Rock mit aich-
hornen Futter unterzochen.
Item ein schwarz Chamalotener Rock
mit schwärzKröpfen gefütteret.
Item ein Leberfarber einfacher
Chamalotener Wappen Rock.
Item ein Damastenes Brüstl mit
Schwarzkröpfen unterfüdert Vorn
mit Mader Keln.
Item ein Maderbalg den haben die
Schaben Verderbt.
Diese Kleider hat er Riß noch bey
seinen Handen behaltnusweiß
biß auf fernern befehl.