Universitätsbibliothek Salzburg
R 101.254 I
Paracelsus: Ain kurtzer begrif zůerkhennen, Ob ain Mensch in disen geschwinden leuffen den gebrechen der Pestilentz hab oder nit. Salzburg, 1553
Das Original dieses Flugblattes (ursprüngliche Signatur 103.521 III) aus der Salzburger Druckerei des Hans Baumann ist nicht mehr erhalten. Nur ein im Jahr 1924 aufgenommenes Foto, das heute in sehr schlechtem Zustand ist, zeugt von der Existenz dieses Paracelsus-Druckes, vgl.
http://www.ubs.sbg.ac.at/sosa/rara/r101254I.jpg
Um diesen Text zugänglich zu machen, wird an dieser Stelle eine Transkription versucht, soweit die Abbildung dies zulässt.
Ain kurtzer begrif zůerkhennen / Ob
ain Mensch in disen geschwinden leuffen den gebre=
chen der Pestilentz hab oder nit. D. Philip=
pum Theophrastum beschriben.
1. DIse khranckhait der Pestílentz (darvor Got ainen jedlichen
woel behüeten) khombt zum Ersten gemainklich mit Hitz oder Khellten
durch ainander vermischt als ob ain Fieber an ainen komen wolt. Seiñ
auch zůzeiten mit hefftigem durst beladen.
2. Etlichen thůet das Haupt vast wee / haben zůzeiten den schwintl. Ain
thail mügen nit schlaffen.
3. Etlich khünnen sich des schlaffs nit wol erwoeren. Oder haben so tieffen
schlaff / das sy nit wol moegen erweckht werden.
4. Ain tail brechen und undewen sich seer.
5. Etlich werden durchfellig im Leib / und haben vil gelber flüssiger stüels.
6. Etlich sein an allen jren Glidern ershlagen / wissen nit was sy thůen sollen
und entpfinden doch khaines schmertzen oder weetagen sonderlich im Leib
haben zůzeiten groß onmachten am Hertzen.
7. Ain tail entpfinden siechen unnd weetagen umb die schulderñ / brust und
hertzen. Oder es wil in der Attem zů kůrtz werden.
8. Etlich sein vast unruebig / werffen sich hin und wider im bedt.
9. Ain tail verkeren das gesicht / das die Augen grüen und gelbfarb werden.
10. Etlichen tringt der engstig schwayß uber den gantzen Leib herab.
11. Etlichen ist gleich im Kopf als weren sy in ainer warmen stuben die tempf
fig ist / wolten gerñ schwitzen und will doch nit von stat geen etc.
Solchs beschiecht nit ainem jeden / sonnder gleich nachdem er hart vergifft ist:
Wann ain Person / solcher Zaichen ains oder mer / an jme entpfündt / oder
schon aufgefarn wär / soll der Mensch gar eben aufmerckhen / ob es jn mit hitz
oder khelten angriffen hab / damit er solches khüne anzaigen / dann jm dester lei=
chter geholffen würde. Es soll es auch khainer verachten / oder auß forcht oder
scham verhalten / Sonnder von stundan (ehe dann die zehent oder zwölfft stund
vergangen ist / nach dem es jn ankhombt) nach dem Artzt und ertzney trachten /
darmit der Mensch nit selb an seinem Tod schueldig werde. / Dann als bald die
zwölft stunde vergangen / wär zůbesorgen das Gifft het das Hertz eingenommen /
so würde alßdann dem Menschen nimmer: oder gar schwäerlich geholffen.
Truckts zů Saltzburg Hans Bauman. 1553.