Universitätsbibliothek Salzburg

R 92.971 I

Abraham Megerle: Speculum Musico-Mortuale. Salzburg, 1672

Abraham Megerle wurde 1607 in Wasserburg am Inn (Bayern) geboren, entschied sich für eine geistliche Laufbahn und war von 1640 bis 1651 fürsterzbischöflicher Kapellmeister in Salzburg. Am Ende seines Lebens wirkte er als Stiftskanonikus in Altötting, wo er 1680 verstarb. Megerle versieht die Kupferstich-Abbildungen in seinem Speculum mit lateinischen Sprüchen aus der Bibel, die er auch ins Deutsche übersetzt, außerdem begleitet er die Sinnbilder mit Gebeten in lateinischer und deutscher Sprache. Von kulturhistorischem Interesse sind besonders die Darstellungen zeitgenössischer Musikinstrumente. Dass sich Megerle auch mit der Heilkraft der Pflanzen auseinander setzte, beweist der recht detaillierte Begleittext zum ersten Bildpaar, der die Wirkungsweise der abgebildeten Pflanzen beschreibt.

Auf welchen Wegen dieser äußerst seltene Druck in die Universitätsbibliothek Salzburg kam, lässt sich leider nicht mehr feststellen.

Abbildungen:


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Aus den beiden ersten Totenköpfen wachsen zehn unterschiedliche Blumen, deren Anfangsbuchstaben (in lateinischer Sprache) die Namen Jesus und Maria ergeben: Iovis flos (Jasmin), Euphrasia (Augentrost), Scorzonegra (Schlangenkraut), Virga aurea (Goldrute), Solis flos (Sonnenblume); Malva (Malve), Amaranthus (Tausendschön), Rosa (Rose), Iris Germanica (Schwertlilie), Aquilegia (Akelei). - Unter den Totenköpfen sind Flöten und Clavicorde abgebildet.

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Der dritte und vierte Totenkopf ist umgeben von einem Lorbeerkranz, Megerle will es aufgefasst wissen als Symbol für alle "Doctormässige Personen, als da seynd alle Capellmaister, welche Academi Musici und ihre maisterliche Proben dargethan ..." - Den Totenkopf auf der linken Seite umgeben Orgel, ein Salzburger Rituale und Posaunen, rechts sind Weihwasser- und Weihrauchkessel sowie Streichinstrumente abgebildet.

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Den fünften Totenkopf umgeben Zeichen der Vergänglichkeit, ein Grab und eine Totenschaufel. Viola da Gamba und Bassgeige sind die dargestellten Musikinstrumente. Über den sechsten Totenkopf schreibt Megerle: "Der sechst Todtenkopf hat ober ihm ein Altar, darauff hangen alle Kenzeichen, deren Bruderschafften ich einverleibt war ... Hinueber ist ein Todtenfahn: den Text unter den Noten muß man auß den Noten nemmen, die erste haist mi, die 3. und 4. re, mi, wird also herauß kommen Miseremini." Unter dem Totenkopf sind Horn und Trompete abgebildet.

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Über dem siebenten Totenkopf sind Kompositionen des Autors zitiert, die er für Altötting verfasst hat, darunter sind eine Laute und eine Tiorba (Theorbe), eine sogenannte Schalenhalslaute, dargestellt. Den achten Totenkopf umgeben Pauken, Schalmei, Cornett und Fagott.

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Über dem neunten Totenkopf hängen fünf Glocken, zu erkennen ist auch eine Hand, die "den Tact mit einem gantz silbern Stab gibt, wie zu Saltzburg gebraeuchig." Links unten ist ein Trumscheit oder Trombamarina abgebildet, ein sehr ungewöhnliches Instrument aus Mittelalter und Renaissance, auf dem nur die Naturtöne gespielt werden konnten. Rechts ist eine Querflöte abgebildet. Über dem zehnten Totenkopf befinden sich Stundenglas, Kardinalshut und ein Blumenstrauß, darunter zwei Krummhörner.

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Auf den beiden letzten Bildern sind Gitarre, Zither, Harfe, Triangel, Sackpfeife, "Thurnerhorn", Leier und Psalter abgebildet. Über dem letzten Totenkopf dürfte das Wappen Megerles (Spruch Apostelgeschichte 2,28: Notas mihi fecisti vias vitae et replebis me iucunditate cum facie tua) dargestellt sein.

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