Universitätsbibliothek Salzburg

R 15.420 III

Nicolas de Nicolay: Von der Schiffart und Rayß in die Turcken unnd gegen Oriennt. Nürnberg, D. Gerlatz 1572

Nicolas de Nicolay (1517-1583) war königlicher Geograph und "Artillerie-Commissarius" unter dem französischen König Heinrich II. Dieser schickte im Jahr 1551 Botschafter nach Istanbul, unter ihnen befand sich Nicolay, der in seinem Buch einen wertvollen Einblick in ottomanische Kleidung des 16. Jh. gab. Infolge seiner künstlerischen Ausbildung in jungen Jahren konnte er die Illustrationen selbst anfertigen, zog aber anscheinend auch Experten zu Rate. Zwei Frauen wurden als "Models" beschäftigt, die gegen Bezahlung in verschiedene Kostüme schlüpften. Die erste Ausgabe seines Werkes erschien in türkischer Sprache, aufgrund seines überragenden Erfolges wurde es bald in viele Sprachen übersetzt. 1572 wurde in Nürnberg eine deutsche Übersetzung gedruckt, 60 Kupferstiche illustrieren meist türkische Tracht.

Das Exemplar der Universitätsbibliothek Salzburg stammt aus der Bibliothek des Rechtsgelehrten Christoph Besold.

Abbildungen:


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"Ein Mörin von Algier wie sie auff der gassen gehet." Die Schiffsreise führte Nicolay auch nach Algier, dessen Einwohner er beschreibt: "Die Mans personen gehen gar nackent, ausserhalb das sie umb die schame fornen und hinten mit einem weissen tuch bedecket sind, umb den kopff aber haben sie ein geflochtene binde ... Die Tuercken unnd Morn Weiber lassen sich selten sehen, unnd wenn sie auß iren hausern gehen, so seindt sie mit einem schwartzen oder veil farben tuch vom kopff biß auf die fueß bedecket."

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"Ein Jungfraw auß der Insel Chio." Die Stadt Chios auf der gleichnamigen griechischen Insel porträtiert Nicolay so: "Die gassen sind schön und breit, die heuser aber und Kirchen seind auff der Genueser unnd die Italienischen art erbawet. (...) Die Innwohner sind freundlich und ehrerbüttig gegen den frembden unnd haben lust zu der Musica unnd andern ehrlichen löblichen sachen. Was die Weiber und Jungfrawen anlangt, achte ich doch niemand zu verkleinern, das inn dem gantzen Orient nit schöner wolgebarend unnd holdseligere höflichere Weibsbilder gefunden werden, dann zu dem das sie von natur und art wol proportionirt und geschickt sind."

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"Wie die Türckin ihre kinder auff der gassen füeren". Im Gegensatz zu zwei anderen Abbildungen von Türkinnen mit Gesichtsschleier (Gang zum Bad, Spaziergang auf der Straße) zeigt uns das Bild der Türkin mit zwei Kindern ein unverschleiertes Gesicht.

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" Ein Janitzair wie er tzu hoff auffwart". Von den "Janitzern an deß Türkischen Keiser hof" schreibt Nicolay: "Die Janitzer haben ein theil Eheweiber, ein theil nicht, die jenigen so noch ledig und unverheirath sind, haben 2 Quartir zu Constantinopel innen, darinnen wonen sie wenn fried ist. Es müssen aber tag und nacht alweg ungeverlich 40 oder 50 auß inen auff der gassen hin und wider gehen und die wache halten, damit kein hader, Diebstal oder dergleichen unrath geschehe. Ir waffen in der Statt ist nichts anderst dann ein langer hültzener stab oder Indianisch Rhor, dann alda darff niemand ... einige wehr oder waffen tragen."

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"Ein Griechischer bauer".  "Diese Voinuchi oder Griechische Baurn seind auß einem Land welches mit Bosna grentzet unnd dem Türkischen Keiser gleich wie andere unterworffen ist. (...) Dieweil es aber ein armes volck ist, sehen sie das sie ihre aufferlegte arbeit bald verrichten, wenn inen darüber zeit uberbleibt, ziehen sie mit einer grossen Sackpfeiffen auß einer Geißhaut gemacht inn der Statt herumb und verdienen etliche pfenning. (...) Sonst haben sie noch ein art etwas zu verdienen, dann es verkleiden sich ihr bey sechs oder sieben zu Fastnacht butzen gar wunderlich und machen inen lange helß, krägen und köpff wie die Kränich ..."

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"Walbrüder oder Pilgram von Mecha". Über die Pilgerreise nach Mekka schreibt Nicolay: "Wenn nun die zeit kommet, zihen sie inn grosser menge erstlich auff Damsco oder Cair, von den Arabiern Alkeir genennet, denn daselbst versamlet sich die Carouanna, das ist der gantze hauff diser Walbrüder. (...) Als dann die stund kommet, das sie inn die Kirchen zu gehen pflegen, schreien ire Maiazin auff den Thürmen wie ir brauch ist unnd berufen das volck zu irem Gottesdienst (...). Zu Mecha besuchen sie auch für allen dingen die Kirchen unnd sprechen ir Gebet, gehen darnach siben mal umb einen vierecktigen Thurn ..."

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