Universitätsbibliothek Salzburg

R 15.414 III

Thomas Harriot: Admiranda narratio fida tamen de commodis ... Virginiae nuper admodum ab Anglis ... inventae. Frankfurt, de Bry 1590

Aus dem Jahr 1590 datiert dieses reich bebilderte Werk über die Sitten und Gebräuche der Indianerstämme aus Virginia, das der Wissenschaftler Thomas Harriot (1560-1621) verfasste. Harriot gehörte zu einer Gruppe von Wissenschaftlern um Sir Walter Raleigh, die eine Expedition in die „Neue Welt“ unternahmen. Nahrungsmittel, Landwirtschaft, Jagdmethoden, Gebäude und Religion wurden dem staunenden Publikum vor Augen geführt. Harriots Geschichte der Indianer erschien in lateinischer und deutscher Sprache und diente u.a. dazu, in England potentielle Finanzgeber zu beeinflussen, ein zweite Expedition zu unterstützen. Das Werk ist versehen mit zahlreichen kolorierten Kupferstichen, diese Form der Buchillustration löste allmählich den Holzschnitt ab. 

Das Exemplar der Universitätsbibliothek Salzburg stammt aus der Bibliothek des Salzburger Erzbischofs Max Gandolf und trägt sein Supralibros.

 

Abbildungen:


        

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Eine Steinsäule mit dem Wappen des französischen Königs, die bei einer früheren Expedition nach Florida errichtet worden ist, wird von den Ureinwohnern wie ein Götzenbild verehrt. Abgebildet ist der Häuptling Athore, der als schön, klug, stark und ungewöhnlich groß beschrieben wird. Er habe seine eigene Mutter zur Frau genommen und mir ihr viele Söhne und Töchter.

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Um sich an ihren Feinden zu rächen, unternehmen die Indianer nächtliche Kriegszüge, sie zünden durch Brandpfeile die Hütten ihrer Gegner an und ziehen sich dann zurück. Das Zerstören von Behausungen sei eine typische indianische Kriegslist.

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Unter den zahlreichen Jagdmethoden beschreibt Harriot auch das Töten von Krokodilen. Da die Krokodile zu den schlimmsten Feinden der Indianer in Florida zählen, müssen Tag und Nacht Wachen aufgestellt werden. Ist ein Krokodil hungrig, geht es an Land und brüllt so laut, dass man es einige Meilen weit hören kann. Die Indianer stoßen dem Tier einen zugespitzten Baumstamm ins Maul, drehen es um und töten es mit Pfeilen und Knüppeln.

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Diese Abbildung zeigt Indianer beim Goldwaschen: Viele Bäche, die aus dem Gebirge Apalatcy herab strömen, führen Edelmetalle wie Kupfer, Silber und Gold mit sich. Die Indianer graben Löcher ins Bachbett, der schwere, weil metallhältige Sand setzt sich dort ab und kann von den Männern eingesammelt werden.

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Detailliert erzählt Harriot auch den Umgang der brasilianischen Indianer mit ihren Feinden: Nachdem das Opfer von einem auserwählten Krieger erschlagen wurde, häuten Frauen den Toten, zerteilen ihn und kochen Eingeweide, Kopf, Hirn und Zunge, die sie dann den Kindern zu essen geben. Harriot schreibt, er sei Augenzeuge dieses Kannibalismus gewesen.

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Auch über den Aberglauben der Ureinwohner wird berichtet: "Nun werden unsere armseligen Wilden auch noch in diesem Leben jämmerlich von dem Teuffel geplagt, dem sie sonst noch einen andern Namen geben und Kaagerre nennen, denn ich hab selbst gesehen, daß, wenn wir bißweilen mit ihnen redeten, daß sie under dem Gespräch anfiengen zu schreien unnd zuruffen wie die Hirntobigen Leut Hei, Hei, helffet uns, denn der Aygnan schlegt uns."

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