Universitätsbibliothek Salzburg

63.577 III

Ulisse Aldrovandi: Monstrorum historia. Bologna, N. Tebaldinus 1642 und Serpentum et Draconum historia. Bologna, C.Ferronius 1640

Ulisse Aldrovandi (1522-1605) studierte in seiner Heimatstadt Bologna zuerst Mathematik, später auch Logik, dann Medizin in Padua und Bologna. Dort gründete er 1568 einen der ersten botanischen Gärten. Er verfasste zahlreiche Schriften über Pflanzen, Tiere (Historia animalium in 11 Bänden) und Mineralien; in seiner "Historia monstrorum" beschreibt Aldrovandi neben Missbildungen bei Menschen, Tieren und Pflanzen auch eine Reihe von Fabelwesen, die zu seiner Zeit als existent galten. Sein Werk über Schlangen und Drachen erschien posthum, es wird behauptet, dass der Naturwissenschaftler einen 1572 bei Bonn getöteten Lindwurm in seiner Sammlung aufbewahrt habe.

Die Salzburger Ausgaben aus 1640 bzw. 1642 stammen aus der Bibliothek der Salzburger Erzbischöfe. Als Illustrationstechnik wurde der Holzschnitt verwendet.

Abbildungen:


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"Homo, ore et collo Gruis". - Ein Mensch mit Gesicht und Hals eines Kranichs. Aldrovandi bemerkt: "Id iuvabit magis legere, quam credere" - das sei besser zu lesen als zu glauben, und meldet berechtigte Skepsis an. Allerdings gesteht er ein, dass in einigen Gebieten Asiens sehr wohl halbwilde Menschen mit überlangen Hälsen leben könnten. Diese "Kranichschnäbler" haben auch Eingang gefunden in das mittelalterliche Spielmannsepos "Herzog Ernst".

"Monstrum Marinum effigie Monachi". - Ein Seeungeheuer mit der Gestalt eines Mönchs. In Norwegen, bei der Stadt "Den Elepoch", habe man ein Seeungeheuer in Mönchsgestalt gefangen. Drei Tage habe es gelebt, nichts gesprochen und nur traurige Seufzer von sich gegeben. Aldrovandi bezweifelt diesen Bericht nicht, stimme er doch mit den Erzählungen alter Fischer überein, die manchmal aus der Tiefe des Meeres Seufzer gehört hätten.

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"Monstra Niliaca Parei". - Zwei Nilungeheuer. Schon der große Naturwissenschaftler Gesner habe behauptet, dass diese Ungeheuer aus dem Meer gefischt und nach Rom zum Papst transportiert worden seien. Der Oberkörper sei menschenähnlich, die Haare blond, der Bauch aus Knochen, die Arme ohne Gelenke, der Unterkörper hingegen sei wie bei einem Fisch gestaltet. Eines der Ungeheuer sehe aus wie eine Frau, das andere habe das Aussehen eines Mannes.

"Monstrum alatum, et cornutum instar Cacodaemonis". - Ein geflügeltes, gehörntes Monster, wie ein böser Dämon. Die Meinungen über dieses Ungeheuer sind durchaus geteilt: Eine Seite versichere, eine Frau habe dieses Monster geboren, die andere wiederum meine, diese Gestalt sei dem späteren Cäsarmörder Brutus erschienen, habe sich als sein schlechter "Genius" bezeichnet und ein Wiedersehen bei Philippi prophezeit, sei also nur eine Ausgeburt der Phantasie.

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"Puer capite elephantino". - Knabe mit Elefantenkopf. Zwar seien solche Missbildungen - Menschen mit Tierköpfen - sehr selten, doch könne man bereits in der Geschichte des Virgilius Polydorus Nachrichten darüber finden, und glaubwürdige Männer hätten berichtet, dass in Ungarn ein Knabe mit Elefantenkopf zur Welt gekommen sei.

"Cerastes ex Libya". - Hornviper. Aldrovandi beschreibt in seinem Buch über Schlangen deren Gifte, die Gegenmittel, Anatomie, Vorkommen, Nahrung und Verwendung in der Medizin. Die hier abgebildete Hornviper kommt in Afrika, besonders häufig in Libyen vor, ihr Biss hinterlässt eine heftige Schwellung, aus der Wunde wird schwärzliche Flüssigkeit abgesondert und der Gebissene leidet an heftigem Schwindel und stirbt unter Krämpfen.

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"Draco alter ex Raia exsiccata concinnatus". - Ein Drache, aus einem getrockneten Rochen gebastelt. Aldrovandi weist zwar dieses Exemplar als gefälscht aus, beschäftigt sich aber sonst intensiv mit Drachengift, Heilmitteln gegen Drachenbisse, Vorkommen und Nahrungsgewohnheiten. Einigen Drachen wird nachgesagt, dass sie Wasser vergiften; ein Drachenbiss sei höchst schmerzhaft, wobei die Männchen gefährlicher seien als die Weibchen.

"Draco Aethiopicus". - Drache aus Äthiopien. Im Kapitel "Drachen mit Flügeln" präsentiert uns Aldrovandi wahre Prachtstücke aus exotischen Ländern. Ein aus Indien importierter und ausgestopfter Drache, der in Paris zu sehen gewesen sei, habe einen schlangenähnlichen Kopf gehabt, sei von bleicher Farbe gewesen und ganz ohne Haare oder Federn. Einen getrockneten Drachen aus Äthiopien habe Franciscus Centensi dem Autor des Buches selbst geschenkt: Zwei mit Krallen bewehrte Füße habe dieses Untier gehabt, es sei überall mit grünen Schuppen bedeckt gewesen, habe zwei flugtaugliche Flügel besessen und einen langen, biegsamen Schwanz.

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