Universitätsbibliothek Salzburg

63.549 III

Gaius Plinius Secundus: Buecher und Schrifften von Natur, art und eygenschafft aller Creaturen ... Frankfurt am Main, S. Feyerabend 1584

Der Naturhistoriker Plinius (23/24-79) verfasste die Naturalis historia, eine Darstellung des gesamten naturkundlichen Wissens seiner Zeit in 37 Büchern. Aus etwa 200 Büchern von 100 Autoren legte er sich eine Sammlung von Notizen an, dazu noch weitere Notizen aus Sekundärquellen. Nicht immer stand Plinius seinem Stoff kritisch gegenüber, spätere Rezensenten bemängelten seine mangelnde Sorgfalt bei der Auswahl der Quellen. Dennoch erfuhr seine Naturgeschichte eine beeindruckende Rezeption: Bereits 1469 erschien in Venedig die erste gedruckte Ausgabe, 1543 legt Heinrich von Eppendorff eine deutsche Übersetzung vor. Ein durchschlagender Erfolg wurde aber die Bearbeitung in deutscher Sprache durch Johann Heyden, der das Werk zu einem Bibelkommentar umfunktionierte und zahlreiche Holzschnittillustrationen von Jost Amman beifügen ließ.

Das Salzburger Exemplar stammt aus der Bibliothek der Salzburger Erzbischöfe.

Abbildungen:


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"Von den Medicis, Apoteckern und Wundaertzten". - Über Hippokrates berichtet Plinius folgendes: "Die schreckliche Pestilentz, welche zu seiner zeit zu Athen und Illyria einfiel und von im vorhin war angezeigt, sol er mit seinen Juengern dergestalt abgewendet haben, daß er die Waelde allenthalben fuer der Statt ließ abhawen und grosse Feuwer drumb her machen, reinigte also die lufft und kame den vergifften mit gebürlicher cura zu huelff."

"Camelopardus. Cameelpart". - "Als der Julius Cesar in seiner Dictatur Schawspiel auff dem Rennplatz halten ließ, ward dises Thier erstlich zu Rom gesehen. Von der zeit her hat mans offt gesehen. Ist mehr seiner gestalt halben grausam, denn daß es an im selbst so wild were, dar umb mans auch das wilde Schaff nennet. Die Camelpart haben gar schoene augen unnd ein huebsche farbe mit lieblichen flecken geziert."

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"Basilisck". - "Solche giftige krafft hat auch die Schlange Basilisck, die in Libya bey der Statt Cyrene fellt. Ist nicht uber zwoelff Finger lang, hat ein weiß pletzlein auff dem Kopff, als were sie mit einer Kronen geziert ... Vor etlichen jaren sol sichs zugetragen haben, daß ein Reuter sitzend auff seinem Pferde einen Basilisck mit einem langen Spieß erstochen, da ist das Gifft durch den Spieß getrungen und hat beyde den Reuter und das Pferdt dermassen beschmeist, daz sie zugleich auff dem Platz blieben." Und wer kann einen Basilisken töten? Das Wiesel durch seinen Geruch ...

Dem Kapitel "Pferd" widmet Plinius viel Raum, er beschreibt die Pferde berühmter Persönlichkeiten (Das Pferd Alexanders des Großen, Bucephalos, soll einzig und allein seinen Herrn getragen haben und in der Schlacht äußerst tapfer gewesen sein), Verhaltensweisen, wunderbare Begebenheiten, Krankheiten und die Verwendung von Pferdemist, "Rossgeifer" und Pferdehaaren in der Medizin.

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"Psittacus, Sittich, Pappegey, Sickust". - "Es sind aber keine Voegel, die deß Menschen stimme so gantz eigentlich lernen unnd außdrucken moegen als eben die Psittich, welche einen ein gutes langes gesprech machen koennen, kommen auß dem Morenlande her, sind fast ubern gantzen Leib gruen mit einem schoenen goldfarben ringlein umb den hals geziert ... Zu Rom hat der Cardinal Ascanius einen Pappegey gekaufft umm hundert Pfennig, der wußte die zwoelff Artickel deß Christlichen Glaubens gantz klar und verstendlich außzusprechen."

"Gryps, Gryphus, Greiff". - "Der Greiff hat vier Fueß und Klauwen daran wie ein Loeuwe. Am hindern seines Leibs ist er schwarz und vornen rot, hat weisse Fluegel und einen krummen Schnabel wie ein Adler. Er macht sein Nest in den Bergen, grebt auß dem Erdreich Goldt und legt das in sein Nest, das wissen die Indianer wol, darumb rotten sie sich zusammen ... kommen bey Nacht zu dem Nest mit grossen sorgen und gefehrlichkeit, daß sie nicht am Diebstal ergriffen werden von diesem grossen grausamen Thier."

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