Universitätsbibliothek Salzburg

W III 39 (Bd. 3)

VINCENTIUS BELLOVACENSIS

IV.6.A.1. · Papier · 470 x 327 · Strassburg, Adolf Rusch, zw. 1477 und 11.2.1478

Inhalt: Vincentius Bellovacensis: Speculum doctrinale. Copinger 6242.

Ausstattung: Rote Unterstreichungen, Auszeichnungsstriche, Paragraphenzeichen, Buchzählung am oberen Blattrand, (Perl-)Lombarden; zu Beginn des zweiten Buches rote Lombarde mit Maske, wohl nicht von der Hand Ulrich Schreiers, zu Beginn des zehnten Buches rote Silhouetteninitiale (Abbildung unten) mit schwarzem Fleuronnée und Maske, mit einiger Sicherheit von Schreier selbst.

Einband: Spätgotischer Einband, möglicherweise von Ulrich Schreier aus 1478. Braunes Leder über Holz mit Streicheisen und Einzelstempeln. VD (Abbildung unten) und HD gleich: Dreifache Streicheisenlinien bilden großes Mittelfeld und 3 Rahmenfelder; das Mittelfeld wird durch dreifache Streicheisenlinien in Diagonalbändern unterteilt, die Bänder gefüllt mit Flechthakenwerk (vgl. Stempeltabellen Gruppe IV, Nr. 5), die Freifelder mit Rosetten (Nr. 13). Der mittlere Rahmen ist gefüllt mit dicht gesetzten Spruchbändern "Maria" (Nr. 1), der äußere mit rautenförmigen Blüten (Nr. 11) und Dreiblattstempeln (Nr. 10). Auf dem VD 2 Schließenbeschläge, beide verziert mit dem Wappen von Georg Altdorfer, 1477-1495 Bischof von Chiemsee. Auf dem HD 2 floral verzierte Schließenbeschläge, Schließenbänder erneuert, auf der Rückseite der Schließenklampen die Datierung 1478 eingraviert (vgl. die Datierung auf den Beschlägen der Inkunabel W III 38, Bd. 4). Leder des R erneuert, mit nachgemachten Kopfstempeln und Flechtwerkhaken verziert; 4 Doppelbünde. Gelber Schnitt, unten mit Titel Speculum Vincencii doctrinale. Kapital und Schwanz mit rosa-blauen Fäden umstochen.

Geschichte: Auftraggeber des Einbandes war Georg Altdorfer, 1477-1495 Bischof von Chiemsee, der Band war also Teil der Bibliothek der Bischöfe von Chiemsee. Die übrigen Bände des Speculum des Vincentius Bellovacensis (W III 39, Bd. 1,2,4,5) ließ Bischof Bernhard von Kraiburg bei einem Buchbinder anfertigen, der abweichendes Stempelmaterial verwendete. Obwohl die Stempel des vorliegenden Bandes keine direkte Zuweisung zu Ulrich Schreier erlauben, sprechen mehrere Indizien dafür, dass der Codex in seiner Werkstatt rubriziert und gebunden wurde: Die auffällige Datierung auf der Rückseite der Schließenklampen findet sich auch bei einem für Bernhard von Rohr gebundenen Wiegendruck (W III 38, Bd. 4), der nachweislich von Schreier bearbeitet wurde. Zudem ist die florale Ornamentgebung der Schließenbeschläge des HD sehr ähnlich den von Schreier für Bernhard von Rohr angefertigten Eck- und Mittelbeschlägen (W III 38). Die in Federzeichnung ausgefertigte Maske zu Beginn des 10. Buches ist recht eindeutig der Hand Schreiers zuzuordnen.

Abbildungen:

WIII39(3)vd.jpg (634652 Byte)

Vorderdeckel

WIII39(1).jpg (187764 Byte)

WIII39schl2.jpg (182776 Byte)

Schließenklampe

WIII38besch.jpg (27607 Byte)

Beschlag auf W III 38 von Ulrich Schreier

 

 

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© Beatrix Koll, Mai 2004