Universitätsbibliothek Salzburg

W II 57

MARCUS TULLIUS CICERO

IV.3.G.80. · Papier · 290 x 195 · Venedig, Johannes de Colonia und Johannes Manthen, 1478

Inhalt: Lactantius, Lucius Coelius Firmianus: Opera. Hain 9814.

Ausstattung: Rote Unterstreichungen, Auszeichnungsstriche; rote und blaue (Perl-)Lombarden, z.T.mit kleinen Masken in schwarzer Tinte. Zu Beginn der jeweiligen Bücher rot-blaue Silhouetteninitialen mit rotem Fleuronnée, auf fol. [f 9], o 3 mit Masken, zu Beginn des "Nephythomon" mit für Schreier typischer Maske. Zeigehände.

Einband: Spätgotischer Einband, möglicherweise von Ulrich Schreier, um 1480. VD und HD (Abb. unten) gleich: Braunes Leder über Holz mit Streicheisen und Einzelstempeln. Streicheisenlinien bilden Rahmen und Mittelfeld, der Rahmen gefüllt mit rautenförmigen gerahmten Stempeln mit floralem Motiv; das Mittelfeld wird von Diagonalbändern asymetrisch in Rautenfelder unterteilt, die Diagonalbänder sind gefüllt mit 6blättrigen Blüten, an den Kreuzungspunkten je eine 5blättrige Blüte (Laurin, Gruppe II, Nr. 4); in den Freifeldern ist je ein 6blättriger Rosettenstempel von 3 oder 4 Dreiblattstempeln (Ulrich Schreier IV, Nr. 10). Auf dem VD 2 Schließenbeschläge, 4 Eckbeschläge mit der Aufschrift O mater dei, miserere m. und einem Mittelbeschlag mit noch ungeklärter Aufschrift (Abbildung unten). Vergleichbare Eckbeschläge befinden sich auf dem Einband der Handschrift M II 244. Auf dem HD von 2 Schließen nur mehr eine erhalten, auf dem Leder kleine Blütenstempel (Laurin, Gruppe I, Nr. 5), von 4 Eckbeschlägen 3 erhalten, 1 Mittelbeschlag. R mit gelbgrauer Ölfarbe überstrichen, am Schwanz alte Signatur der erzbischöflichen Hofbibliothek B.[...]114.B.A.S. R mit 2 Doppelbünden, Leder mit Kopfstempeln verziert. Gelber Schnitt, oberer Schnitt mit Titel Lactantius.

Geschichte: Die Inkunabel stammt aus der erzbischöflichen Hofbibliothek, vgl. alte Signatur B.[...]114.B.A.S. auf dem Rücken. Der Einband kann nicht eindeutig Schreier zugeordnet werden. G. Laurin (Der Salzburger Einbandstil Ulrich Schreiers. Gutenberg-Jahrbuch 1960, S. 374, Anm. 11) erwähnt zwar die Inkunabel W II 57, schreibt aber ohne nähere Begründung deren Einband einer anderen Buchbinderwerkstatt zu. Den auf der Vorderseite des erhaltenen Schließenbandes erhaltenen Stempel (Laurin, Gruppe I, Nr. 5) vermerkt Laurin hier nicht, ebenso wenig die für Schreier typische Maske auf fol. 220. Die asymetische Anordnung der Rautenfelder auf dem Einband und die Verwendung von immerhin 2 Stempeln, die Laurin Schreier zuweist, sprechen allerdings für eine Zuordnung zur Werkstatt des Salzburger Buchkünstlers. Die auf dem Mittelbeschlag u.a. eingravierten Buchstaben US verführen natürlich, diese als "Ulrich Schreier" aufzulösen, doch gibt es dafür keine weiteren Indizien.

 

 

Abbildungen:

WII57hd.jpg (813662 Byte)

Hinterdeckel

WII57besch.jpg (241947 Byte)

Mittelbeschlag (stark vergrößert)

WII57(1).jpg (67578 Byte)

fol. o 3

WII57(2).jpg (154625 Byte)

fol. [220]

 

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© Universitätsbibliothek Salzburg, Mai 2004