Universitätsbibliothek Salzburg

W II 438

ASTESANUS DE AST

Papier · 301 x 212 · Venedig, Leonardus Wild, 1480

Inhalt: Astesanus de Ast: Summa de casibus conscientiae. Hain 1896, GW 2757.

Ausstattung: Rote Auszeichnungsstriche, Unterstreichungen; rote und blaue Paragraphenzeichen, (Perl-)Lombarden. Auf fol. a3 recto (links) blaue Perllombarde R über 7 Zeilen mit roten Fleuronnée mit Maske von Ulrich Schreier (Abb. unten). Fol. a4 (rechts) Deckfarbeninitiale D über 10 Zeilen (Abb. unten): Buchstabenkörper grün mit schattierten Blattornamenten, Rankenausläufer in Altrosa; eingeschrieben in ein Rechteck, altrosa mit weißen Strahlen und rotbraunem Rahmen. Binnenfeld zweigeteilt: In der oberen Hälfte eine männliche Gestalt, auf das darunter liegende Wappen blickend. In der unteren Hälfte Wappenschild des Georg von Schönberg: Wappen mit 2 roten Querstreifen auf weißem Grund, davor steigender schwarzer Greif mit Krone. Über der Initiale die Devise Salve in Grün. Vgl. dazu das Wappen in W III 36.

Einband: Spätgotischer Einband von Ulrich Schreier (Laurin, Gruppe II), nach 1481. Braunes Kalbsleder über Holz mit Streicheisen, Einzelstempeln und Lederschnitt. VD (Abb. unten): Streicheisenbänder bilden ein Rahmen- und ein Mittelfeld. Im Rahmenfeld ein buntes Flechtwerk aus abgerundeten Winkelhakenstempeln (G. Laurin, Preßburger Lederschnittbände Ulrich Schreiers. Archiv für Geschichte des Buchwesens V, S. 1487, Nr. 1-3); die Winkelhakenstempel sind in den Farben Grün, Blau, Gelb, Weiß und möglicherweise Altrosa gefärbt (siehe Abb. unten). In den Eckfeldern des Rahmens je ein rautenförmiger gerahmter Stempel (möglicherweise Laurin, Gruppe I, Nr. 1) mit je vier grün gefärbten 6blättrigen Rosetten (Laurin, Gruppe II, Nr. 11). Mittelfeld: An den Eckpunkten je 1 gedrehte Rosette (Laurin, Gruppe II, Nr. 2); im Mittelfeld Darstellung eines Heiligen in Lederschnitttechnik (Abb. unten): In der oberen Hälfte ist ein Rundbogen erkennbar, darunter Heiliger mit Strahlenkranz und Buch in der Linken. Für die Färbung von Gesicht und Händen wurde blasses Rosa verwendet, für den Haarkranz Weiß, für die Augen Weiß und Schwarz, für die Lippen Rot, für das Buch Blau. Hintergrund mit Punzenstempeln gearbeitet.  - Von 4 gravierten und durchbrochenen Eckbeschlägen 3 vorhanden, 2 Schließenbeschläge mit der Aufschrift Maria vorhanden. Pergamentschildchen mit Titel Summam Astensis. - HD: Streicheisenbänder bilden Rahmen- und Mittelfeld. Füllung des Rahmenfeldes wie VD, allerdings ohne Färbung. Mittelfeld: An den Eckpunkten je 1 gedrehte Rosette (siehe VD); im Mittelfeld Eichblattmuster durch Kopfstempel (Laurin, Gruppe II, Nr. 1) und Blattadern. 4 gravierte und durchbrochene Eckbeschläge vorhanden, beide Schließenbeschläge samt Schließenbändern verloren. - Rücken: Zwischen den Bünden dichtes Flechtbandmuster mit abgerundeten Winkelhakenstempeln (siehe VD). R mit 4 Doppelbünden, oben Papierschildchen mit Titel nur mehr in Fragmenten erhalten. Kapital und Schwanz mit rosa-blauen Fäden umstochen. - Das gefärbte Flechtwerk und der bemalte Lederschnitt finden sich auch auf den bei Laurin, Preßburger Lederschnittbände, Sp. 1487 und S. 1495ff. erwähnten Einbänden, beide wohl aus dem Preßburger Domkapitel. Eine vergleichbare Flechtwerkbordüre befindet sich auch auf der Grazer Inkunabel Ink. I 8767.

Geschichte: Das Wappen ist dem Preßburger Propst und Vize-Kanzler der Academia Istropolitana Georg Peltell von Schönberg (gest. 1486) zuzuordnen (Vgl. D. Buran: Fragmente illuminierter gotischer Handschriften aus zwei slowakischen Archiven. Biblos 53,2 (2004), S. 76-77.). Der Einband stammt also aus Schreiers Preßburger Zeit, mit dem Tod Georgs von Schönberg ist ein Terminus ante quem von 1486 gegeben. Vom gleichen Vorbesitzer stammt die Inkunabel W III 36. - Auf fol. a2 am oberen Blattrand in Schrift des 17. Jh. Capli. Pozoni (?) 1633. Lit. B., also möglicherweise ein alter Eintrag der Bibliothek des Preßburger Domkapitels. Wiegendruck W II 438 wurde 2005 vom Antiquariat Halwas in London erworben. Die im "Catalogue six" (Nr. 2 ist der Astesanus-Druck) behauptete Zuordnung der Provenienz zum Salzburger Erzbischof Johann Beckenschlager erwies sich als nicht haltbar. In der jüngeren Vergangenheit tauchte dieser Druck 1999 bei Sotheby's auf und 2002 bei Percy Barnevik (vgl. Robin Halwas, Catalogue six. Books, drawings & prints 1480-1836. S. 3).

 

 

Abbildungen:

WII438VD.jpg (1310140 Byte)

Vorderdeckel

WII438HD.jpg (1239034 Byte)

Hinterdeckel

WII438VDlederschn.jpg (1315482 Byte)

Lederschnitt (hohe Auflösung)

WII438VDstempel.jpg (603640 Byte)

Stempel (hohe Auflösung)

WII438a3.jpg (256012 Byte)

a3 recto

WII438a4.jpg (202718 Byte)

a4 recto

 

zurück

 

© Beatrix Koll, Oktober 2005