Universitätsbibliothek Salzburg

W II 350

Revelationes sanctae Birgittae; Nürnberg, A. Koberger 1500

Birgitta von Schweden wurde um 1303 in Finstad bei Uppsala als Tochter eines der größten Grundbesitzer des Landes geboren. Birgitta wurde fromm erzogen und hatte schon mit sieben Jahren Visionen, die sich nach dem Tod ihres Gattes und ihrem Rückzug in das Zisterzienserkloster Alvastra häuften. Sie schrieb ihre Visionen in schwedischer Sprache nieder, ihre Beichtväter übersetzten sie ins Lateinische.

Die Holzschnitte der Ausgabe von Anton Koberger aus dem Jahr 1500 werden - mit einiger Unsicherheit - Albrecht Dürer zugeschrieben.

Das Exemplar der Universitätsbibliothek stammt aus der Fürstpropstei Berchtesgaden.

Abbildungen:


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Titelbild des Koberger-Druckes aus 1500: Die Hl. Birgitta, umringt von Geistlichen, hält ihre niedergeschriebenen Offenbarungen in Händen.

"Einst trugen Ritter ihre Waffen, um ihr Leben für die Gerechtigkeit hinzugeben und für den Glauben zu sterben. Jetzt aber haben sie sich geändert: Sie sind stolz auf körperliche Schönheit, begehren Reichtum und folgen weltlichen Begierden. Deswegen kommen sie durch Lanze und Schwert ums Leben. Ich aber ermahne sie, mein Mitleid, nicht aber meine Gerechtigkeit anzuflehen, die fest steht wie ein Berg, brennt wie Feuer, schrecklich ist wie der Donner und gespannt ist wie ein Bogen zum Schuss."

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"So heftig brennt die Hölle: Würde alles auf dieser Erde brennen, es käme ihr nicht gleich. Wehklagen erfüllt alle. Umgeben ist sie von Finsternis, und wer dorthin gelangt, wird nie im Hause Gottes wohnen. Über der Finsternis ist das Fegefeuer, das die Seelen erleiden. Gequält werden sie von Dämonen wie von giftigen Würmern und wilden Tieren; Hitze und Kälte, Finsternis und Chaos begleiten die Seelenqualen. Einen anderen Ort gibt es zur Sühne von kleinen Sünden und noch einen dritten, an dem die einzige Strafe ist, Sehnsucht zu haben nach Gottes Gegenwart."

"Ich sah einen Thron im Himmel, auf dem Jesus Christus wie ein Richter saß, und zu seinen Füßen die Jungfrau Maria. Ringsum den Thron sah ich das Heer der Engel und unzählbar viele Heilige. Auf einer Leiter, die fest auf dem Erdboden stand und zum Himmel empor ragte, befand sich ein in der Theologie hochgelehrter Mann, der ungeduldig und voller List dem Richter viele Fragen stellte."

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"Die Mutter Gottes sprach: Ablegen sollen die Frauen ihre prunkvollen Gewänder, die sie stolz tragen; denn der Teufel flüsterte ihnen ein, Kopfputz und anderen Schmuck zu tragen, um Ausschweifungen zu provozieren und durch eng anliegende Kleider und nackte Brüste Gott zu erzürnen. Höre, Skorpion, du meine Mutter: Weh mir, was ich von dir freudig gelernt, bezahle ich mit Tränen! Höre, giftige Eidechse, du meine Tochter: Weh mir, dass ich je deine Mutter gewesen, so oft du in allen Sünden mir gefolgt bist, so oft erneuerte sich meine Schuld!"

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