Universitätsbibliothek Salzburg

W II 299

MARCUS TULLIUS CICERO

V.6.G.121. · Papier · 304 x 210 · Venedig, Baptista de Tortis, 1482

Inhalt: Marcus Tullius Cicero: Epistolae ad familiares. Hain 5189, GW 6836.

Ausstattung: Nicht rubriziert.

Einband: Spätgotischer Einband, vermutlich Nachfolge von Ulrich Schreier (Laurin, Gruppe III=Lederschnittbände), nach 1482. Rosa Leder über Holz mit Streicheisen und Einzelstempeln. VD (Abbildung unten): Streicheisen bilden ein Rautenmuster, Freiräume gefüllt mit Kopfstempeln (nicht bei Laurin) und Blattadern; im Zentrum je ein Rosette (Laurin, Lederschnittbände, Nr. 5). Von 2 mit einer Rosette verzierten Schließenbeschlägen (ähnliche Ausformung bei W II 9 und W II 300) nur mehr eine vorhanden, Mittelbeschlag und 4 Stehkantenbeschläge fehlen; Titelschildchen abgelöst. HD wie VD, doch an Stelle der Rosette je eine fünfblättrige Blüte (Laurin, Lederschnittbände, Nr. 13) im Zentrum; von 2 Schließenbeschlägen nur mehr einer vorhanden, Schließenbänder abgerissen. Mittelbeschlag und Stehkantenbeschläge fehlen. R mit 2 Doppel- und 2 Einzelbünden, mit einer Vielzahl von kleinen Stempeln verziert (Kopfstempel, sechsblättrige Blüte, Dreiblatt, Beere). Am Kopf Papierschildchen mit Titel, darunter alte Signatur N°. 106. Gelber Schnitt. - Wasserzeichen des Spiegels: Ochsenkopf mit zweikonturiger Stange, Krone und Blume (ähnlich Piccard XV,384: 1484-89).

Geschichte: Aus welcher Bibliothek die Inkunabel an die Universitätsbibliothek Salzburg gelangte, lässt sich wegen des Fehlens jeglichen Besitzervermerkes nicht feststellen. Eine starke Ähnlichkeit der Schließenbeschläge mit dem Wiegendruck W II 84, der aus der Bibliothek der Fürstpropstei Berchtesgaden stammt, könnte eine erste Spur zu dessen Herkunft sein. Auch der Einband ist nicht eindeutig Schreier zuzuordnen: W II 299 weist zwar Stempelmaterial auf, das Ulrich Schreier zweifelsfrei zugeschrieben werden kann, gleichzeitig jedoch findet sich ein bei Laurin nicht verzeichneter Kopfstempel, und die auf dem Rücken verwendeten Stempel sind nach Wind (P. Wind: Die verzierten Einbände der Handschriften der Erzabtei St. Peter zu Salzburg bis 1600. Wien 1982) der Salzburger Werkstätte III (1470-1482) zuzuordnen (Dreiblatt Nr. 34; Blüte Nr. 107; Frucht Nr. 183*); möglicherweise hat die Salzburger Werkstatt III Stempel der Gruppe Schreier III (nach Laurin) verwendet (vgl. Wind, S. 120).

 

 

Abbildungen:

WII299vd.jpg (286417 Byte)

Vorderdeckel

WII299hd.jpg (218785 Byte)

 

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© Beatrix Koll, April 2004