Universitätsbibliothek Salzburg

W II 251

Hortus sanitatis; Straßburg, Johann Prüß 1497

Der Hortus sanitatis (Garten der Gesundheit) ist mehr als nur ein Kräuterbuch, behandelt er doch auch verschiedene Gattungen von Tieren und Mineralien. Der „Tractatus de herbis“ (Pflanzenbuch) nimmt mit 530 Beschreibungen von medizinisch nutzbaren Pflanzen den ersten Teil des umfangreichen Buches ein und ist mit zahlreichen kolorierten Holzschnitten illustriert. Etwa zwei Drittel der Illustrationen wurden von einem bereits früher publizierten deutschsprachigen Herbarius übernommen, nachbearbeitet und oft auch missverstanden. Obwohl bei einigen Pflanzenbildern eine naturalistische Darstellung vorliegt, sind die meisten doch als phantasievoll, zumindest aber als ausgesprochen stilisiert zu bewerten. Einige greifen noch zurück auf klassische Legenden, so ist in die Blüte der Narzisse noch die Darstellung des „selbstverliebten“ Narcissus integriert (cap. 307).

Das Salzburger Exemplar kam aus den Beständen der erzbischöflichen Hofbibliothek Anfang des 19. Jh. an die Universitätsbibliothek.

Abbildungen:


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De herbis et plantis (c.276): Mandragora (männl.), die Alraune. Der Hortus sanitatis unterscheidet eine weibliche und eine männliche Pflanze, beide haben ihren Namen von der angeblich Menschen ähnlichen Gestalt der Wurzel. Sie wurde als Betäubungsmittel verwendet ("damit jemand, dem ein Glied amputiert wird, nichts spürt"), aber auch als Aphrodisiakum ("Radicem Mandragore multi dant ad amorem").

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De herbis et plantis (c.284): Melone. Melonenschalen, auf den Kopf eines Kindes gelegt, sollen verschiedene Erkrankungen des Kopfes vertreiben. Getrocknete und zerriebene Melonenkerne hingegen seien ein probates Schönheitsmittel für den weiblichen Teint.

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De herbis et plantis (c.307): Narzisse. Die Darstellung der Narzisse im Hortus sanitatis greift zurück auf die antike Legende des schönen Narcissus, der sich in sein eigenes Spiegelbild im Wasser verliebt und in die gleichnamige Blume verwandelt wird. Besonders hier kann man nicht von einer naturalistischen Abbildung der Pflanze sprechen ... 

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De animalibus et reptilibus (c.44): Krokodil. Die Tierdarstellungen im Hortus sanitatis sind durchaus unterschiedlicher Qualität: Je exotischer ein Tier ist, desto abenteuerlicher ist auch die Abbildung, da eine Autopsie nur in seltenen Fällen möglich war. Jedenfalls empfiehlt bereits der römische Schriftsteller Plinius eine Krokodilsalbe zur Verjüngung des Antlitzes und als Wundermittel gegen Falten.

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De piscibus (c.49): Seehase. Im Gegensatz zum tatsächlich existierenden Seehasen (Cyclopterus lumpus) präsentiert uns der Hortus sanitatis ein Fabelwesen, das seinen Namen vom "hasenförmigen Kopf" ableitet, hochgiftig ist und einen Menschen bei bloßer Berührung tötet. Nichtsdestotrotz könne die Asche des Seehasen in Form einer Emulsion Wimpern am Ausfallen hindern!

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De animalibus (c.38): Cephos und Centrocota. Hier ist der Holzschnittkünstler vollends ins Schleudern gekommen, wer soll auch nach Angaben wie "Füße und Beine wie beim Menschen" (Cephos) und "Körper eines Esels, Brust und Beine eines Löwen, ein bis zu beiden Ohren verlaufendes Maul und menschenähnliche Stimme" (Centrocota) ein ordentliches Ungeheuer zeichnen können ...

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De lapidibus (c.49): Auch mit der heilenden Wirkung (edler) Steine befasst sich der Hortus sanitatis. Der Exacontalitus zum Beispiel wird als ein kleiner farbenprächtiger Stein beschrieben, der die Farben von 60 Edelsteinen in sich vereine, der vom Adler weither in sein Nest getragen werde und sehr wirksam sei zur Verhinderung einer Frühgeburt.

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