Universitätsbibliothek Salzburg

M III 18

Hieronymus

V.1.B.18 · Pergament · 141 Bl. · 372 x 256 · Salzburg/St. Peter, Ende 8. Jh.

B: Pergament mit vielen Löchern und Rissen, Haut- und Fleischseiten gut zu unterscheiden. Lagen: 11 + (V-1)10 + 4.IV42 + (V-1)51 + (IV+1)60 + (III-1)65 + 4.IV97 + III103 + 4.IV135 + (IV-2)141; Kustoden I-VII und a, II-VIIII. Neue Blattzählung.

S: Karolingische Minuskel von mehreren Händen (vgl. dazu: K. Forstner, Die karolingischen Handschriften in den Salzburger Bibliotheken (Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 3. Ergänzungsband). Salzburg, 1962, S. 62-65). Kapitale und Unziale für Überschriften. Der Codex wird in der Forschungsliteratur der sogenannten "Arno-Gruppe" zugeordnet, ist also unter Bischof Arno (785-821) geschrieben worden. Schriftraum zweispaltig von 1va-6vb, 8ra-42vb, 66ra-141rb, einspaltig 7rv, 43r-65v. 31-34 Zeilen, Griffelrahmung und -linierung.

A: Rubriziert. Zahlreiche Initialen (rot, grün, gelb), z.T. mit Flechtbandmuster und ichthyomorphen Motiven (siehe Abb.).

E: Spätgotischer Einband (Abbildung): Ursprünglich weißes Schweinsleder (abgestoßen) mit Streicheisenverzierung aus dem 15. Jh. Vorderdeckel und Hinterdeckel gleich: Doppelte Streicheisenlinien bilden ein Rautenmuster. Ursprünglich ein Liber catenatus, Beschlag erhalten, Kette fehlt. Auf dem VD ein Pergamentschildchen mit der Aufschrift Tractatus Ieronimi de libro psalmorum in einem Metallrahmen mit Hornabdeckung. Darüber auf einem kleinen Pergamentschildchen die Signatur 108. Am VD 2 Schließenbeschläge, am HD 2 Schließen abgerissen. Rücken mit 4 Doppelbünden. Am Spiegel des Hinterdeckels ein Pergamentfragment (14. Jh., juristischer Kommentar).

G: Auf dem Spiegel des Vorderdeckel mit Bleistift alte Signatur V.I.B.18 eingetragen. Die Handschrift stammt aus der Bibliothek des Domkapitels (vgl. Katalog von Holveld Nr. 108, MBKÖ 4, S. 34).

L: Hans Tietze, Die illuminierten Handschriften in Salzburg (Beschreibendes Verzeichnis der illuminierten Handschriften in Österreich 2 = Publikationen des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung). Leipzig 1905, 54 Nr. 45. -  Karl Forstner, Schriftfragmente des achten und früheren neunten Jahrhunderts in Salzburger Bibliotheken. Scriptorium 14 (1960) 235-256. - Karl Forstner, Die karolingischen Handschriften und Fragmente in den Salzburger Bibliotheken (Ende des 8. Jh. bis Ende des 9. Jh.) (Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Erg.-Bd. 3). Salzburg 1962, 11f.; 17; 18; 22; 26; 57; 62 Nr. 56 (Abb.7-8). - Elias Avery Lowe, Codices Latini Antiquiores. A Paleographical Guide to Latin Manuscripts prior to the ninth century X: Austria, Belgium, Czechoslovakia, Denmark, Egypt, and Holland. Oxford 1963, XI Nr. 12; 10 Nr. 1468. - Kassius Hallinger, Das Kommentarfragment zu Regula Benedicti IV aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Wiener Studien N. F. 3 = 82 (1969) 211-232, hier: 213. - Bernard Lambert, Bibliotheca Hieronymiana manuscripta. 4 Bde. (Instrumenta Patristica 4). Steenbrugge 1969-1972, Nr. 220. - Heinz Löwe, Arbeo von Freising. Eine Studie zur Religiosität und Bildung im 8. Jahrhundert, in: H. Löwe, Von Cassiodor zu Dante. Ausgewählte Aufsätze zur Geschichtsschreibung und politischen Ideenwelt des Mittelalters. Berlin-New York 1973, 75-110. - Bernhard Bischoff, Die südostdeutschen Schreibschulen und Bibliotheken in der Karolingerzeit I: Die bayrischen Diözesen. Wiesbaden 31974, 251. - Kurt Holter, Das Problem der Salzburger bildenden Kunst im Zeitalter Virgils am Beispiel der Buchmalerei dargestellt. Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 115 (1975 (1976)) 161-174. - Otto Mazal, Die Salzburger Dom- und Klosterbibliothek in karolingischer Zeit. Codices Manuscripti 3 (1977) 44-64. Bernhard Bischoff, Die südostdeutschen Schreibschulen und Bibliotheken in der Karolingerzeit II: Die vorwiegend österreichischen Diözesen. Wiesbaden 1980, 59, 92f. - Otto Mazal, Die Salzburger Domkapitelbibliothek vom 10. bis zum 12. Jahrhundert, in: Paläographie 1981. Colloquium des Comité International de Paléographie. München, 15.-18. September 1981. Referate. Hrsg. von Gabriel Silagi (Münchener Beiträge zur Mediävistik und Renaissance-Forschung 32). München 1982, 71-91. - Karl Forstner, Die Datierung des Cutbert-Codex. Ein Hauptproblem des Skriptoriums von St. Peter, in: Festschrift St. Peter zu Salzburg 582-1982 = Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 93 (1982) 776-801, hier: 783. - Martin Haltrich, Marianne Pollheimer, Vergessen und verstellt. Die älteste Handschrift des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien (R 139). MIÖG 116 (2008) 370-380, hier: 373 Anm. 24. - Bernhard Bischoff, Katalog der festländischen Handschriften des neunten Jahrhunderts, Teil III. Wiesbaden 2014, 293.

 

Hieronymus: Tractatus de libro psalmorum (PL 26, 1277ff.; Stegmüller, Repertorium biblicum 3325).

(1r) Tractatus Ieronimi de quibusdam psalmis (15. Jh.). (1va-vb) Inhaltsangabe. (2ra-141rb) Hieronymus: Tractatus de libro psalmorum. Üb.: Tractatus de psalmo I. Inc.: Psalterium ita est quasi magna domus ... Beatus vir, qui non abiit ... Quidam putant istius psalmi clavem ... Expl.: ... qui habet istum gladium et benedicamus eum in saecula saeculorum. Amen. Sch.: Gloria individuae trinitatis.

 

Abbildungen: 

 

 

2ra: Karolingische Flechtbandinitiale (Beatus vir) mit ichthyomorphem Motiv.

66r: Karolingische Flechtbandinitiale, Beginn von Psalm 101.

67rb: Initiale B: Die Bögen der Initiale werden von je einem Fisch gebildet.

90ra: Beatus-vir-Initiale, unterer Bogen von einem Fabelwesen gebildet.

121va: Beginn von Psalm 141: Grünes Flechtband auf schwarzem Grund.

 

© Universitätsbibliothek Salzburg, Oktober 2002