Universitätsbibliothek Salzburg

M III 12

Missale Dioecesis Salisburgensis

V.1.A.12 · Pergament · 245 Bl. · 389 x 280 · Augsburg, 1476

B: Pergament guter Qualität, wenige Risse und Löcher; fol. 119v (Kanonbild) und 120r-126r (Kanon) mit starken Gebrauchsspuren. Lagen: I2 + III7 + 10.V107 + (VI-1)118 + IV126 + 3.V156 + (V-1)165 + V175 + IV183 + V193 + IV201 + 4.V241 + (II-1)244 + I245; erstes und letztes Bl. als Spiegel aufgeklebt. Reklamanten; alte Foliierung i-ccxxvi, zählt Kalendar, Kanon und die letzten 4 Bll. nicht. Neue Blattzählung 1-245.

S: Schriftraum zweispaltig, nur Kalendar und Kanon einspaltig: (265-280) x (185-188), Spalten mit Tinte gerahmt, 39-41 Zeilen auf Blindlinierung. Kanon mit größerer Schrift (18 Zeilen); Haupttext in Textura mit Elementen der Rotunda aus ca. 1476 von 1 (?) Hand. Kanon in Textura vermutlich von derselben Hand. Cadellen, z. T. mit Masken, am oberen Blattrand. 2 weitere zeitgleiche Hände schrieben möglicherweise 244rb-245rb. Nachträge in Bastarda des späten 15. Jh., u.a. auf 99r, 101v, 117v, 149r, 151r, 230v, 240v, 245rb und auf dem Spiegel des HD.

A: Rote Überschriften, Auszeichnungsstriche, Kreuzzeichen im Kanon, Foliierung; rote und blaue Satzmajuskeln und 2-3zeilige (Perl-)Lombarden, 240va rot-blaue Silhouetteninitiale über 6 Zeilen. Deckfarbeninitialen und Kanonbild aus der Augsburg-Salzburger Missalienwerkstatt des Johannes Bämler: 8ra Deckfarbeninitiale Ad-te-levavi (siehe Abb.) über 10 Zeilen, blauer Buchstabenkörper mit weiß gehöhten Blattornamenten, Binnengrund aus poliertem, ziseliertem Gold, Rahmen in Rosa und Grün; im Vordergrund stigmatisierter Christus, in einen roten Mantel gehüllt, auf dem Regenbogen, mit Schwert und Lilie. Akanthusranken mit stilisierten Blüten am oberen, linken und rechten Blattrand in Blau, Braun, Grün, Rosa, Gelb und hellem Violett, Flechtknoten links; Goldpunkte mit Strahlen. 17va historisierte Initiale P (siehe Abb.) über 10 Zeilen, grüner Buchstabenkörper mit helleren Blattornamenten, Binnengrund aus poliertem Gold mit Einzelstempeln, Rahmen in Blau, Rot und Gelb, im Freiraum des Buchstaben Christuskind; Akanthusranken in den beschriebenen Farben mit stilisierten Blüten und Goldpunkten. 93ra historisierte Initiale R (siehe Abb.) über 10 Zeilen, violetter Buchstabenkörper mit helleren Blattornamenten, Binnengrund aus poliertem Gold mit Einzelstempeln, Rahmen in Blau, Grün und Gelb, im Vordergrund Christus, in einen roten Mantel gehüllt, dem Grab entsteigend, in der linken Hand die Kreuzfahne; Akanthusranken in den beschriebenen Farben mit stilisierten Blüten und Goldpunkten. 105rb historisierte Initiale V über 8 Zeilen (siehe Abb.), rosa Buchstabenkörper mit helleren Blattornamenten, Binnengrund aus poliertem Gold mit Einzelstempeln, Rahmen in Rot, Blau und Gelb, im Freiraum des Buchstaben die Füße des auferstehenden Christus, darunter Fußspuren auf grünem Hügel; Akanthusranken in den beschriebenen Farben mit stilisierten Blüten und Goldpunkten. 108rb historisierte Initiale S (siehe Abb.) über 5 große Zeilen, grüner Buchstabenkörper mit helleren Blattornamenten, Binnengrund aus poliertem Gold mit Einzelstempeln, Rahmen in Blau und Rosa, im Vordergrund Darstellung der Herabkunft des Hl. Geistes: Weißes Gebäude mit rotem Dach, im Fenster zwei Köpfe mit Feuerzungen, über dem Gebäude die weiße Taube schwebend; Akanthusranken in den beschriebenen Farben mit stilisierten Blüten und Silberpunkten. 127ra historisierte Initiale D (siehe Abb.) über 5 große Zeilen, blauer Buchstabenkörper mit weiß gehöhten Blattornamenten, Binnengrund aus poliertem Gold mit Einzelstempeln, Rahmen in Rot, Grün und Gelb, im Freiraum des Buchstaben der nackte Christus mit Dornenkrone im Grab. 159ra Deckfarbeninitiale T über 6 Zeilen, rosa Buchstabenkörper mit Binnengrund aus poliertem Gold mit Einzelstempeln, Rahmen in Grün; Akanthusranken mit stilisierter Blüte in Blau, Grün und Rosa mit Goldpunkten. 160vb historisierte Initiale S (siehe Abb.) über 9 Zeilen, blauer Buchstabenkörper mit weiß gehöhten Blattornamenten, Binnengrund aus poliertem Gold mit Einzelstempeln, Rahmen in Rot, Grün und Gelb, im Vordergrund Darstellung des Hl. Silvester: bekleidet mit grünem Gewand und rosa Mantel, in der rechten Hand ein rotes Buch, in der linken Hand den Kreuzstab haltend; auf dem Kopf die Tiara. Akanthusranken in den beschriebenen Farben mit stilisierten Blüten und Silberpunkten. 214rb historisierte Initiale E über 10 Zeilen (siehe Abb.), violetter Buchstabenkörper mit helleren Blattornamenten, Binnengrund aus poliertem Gold mit Einzelstempeln, Rahmen in Grün, Rosa und Gelb, im Vordergrund Darstellung des Hl. Petrus, bekleidet mit blauem Gewand und rotem Mantel, in der linken Hand den Schlüssel haltend; Akanthusranken in den beschriebenen Farben mit stilisierten Blüten und Silberpunkten. 233ra Deckfarbeninitiale S über 6 Zeilen, grüner Buchstabenkörper mit helleren Blattornamenten, Binnengrund aus poliertem Gold mit Einzelstempeln, Rahmen in Rosa; Akanthusranken mit stilisierter Blüte in Blau, Grün, Braun und Rosa. 120r Te-igitur-Initiale über 6 Zeilen: Buchstabenkörper blau mit weiß gehöhten Blattornamenten, Binnengrund aus poliertem Gold, ziseliert und mit Einzelstempeln; Rahmen in Rosa, Grün und Gelb, Akanthusranken in den beschriebenen Farben mit stilisierten Blüten und Silberpunkten. 119v Kanonbild (siehe Abb.): Maße 278 x 190. Rahmenband blau mit kleinen, vergoldeten Rosettenstempeln und roten Begrenzungslinien, an den Ecken je 1 Medaillon mit hellblauem Rahmen und Blattgold mit Einzelstempeln im Inneren; ornamentale Verzierungen mit roter Tinte. Kreuzigungsgruppe (Christus und die beiden Schächer) vor zieseliertem und mit Einzelstempeln verziertem Goldhintergrund; zur Linken Maria, Johannes und Magdalena, zur Rechten eine Dreiergruppe, u.a. Soldat mit Speer in der Hand. 124v Schweißtuch mit Christuskopf vor ziseliertem Goldhintergrund und mit rosa Umrahmung (siehe Abb.).

E: Spätgotischer Einband aus der Augsburger Werkstatt von Paul Wolf (I. Schunke, Die Schwenke-Sammlung gotischer Stempel- und Einbanddurchreibungen  2, S. 14). Braunes Leder (abgestoßen) über Holz mit Streicheisen- und Stempelverzierungen (Abbildung). VD und HD gleich: Streicheisenbündel bilden vier Rahmen und ein kleineres Mittelfeld; äußeres Rahmenfeld gefüllt mit Spruchbandstempeln (Schrift unleserlich), zweiter Rahmen gefüllt mit rechteckigem Stempel mit Laubranke, dritter Rahmen gefüllt mit gerahmten, quadratischen Evangelistensymbolen und gerahmten, rautenförmigen Granatapfelstempeln (I. Schunke: Die Schwenke-Sammlung gotischer Stempel- und Einbanddurchreibungen. Berlin 1979. Evangelisten-Symbole Nr. 24; Granatapfel Nr. 136), innerer Rahmen gefüllt mit kleinen, ursprünglich vergoldeten Laubstabstempeln. Mittelfeld dicht mit gerahmten, rautenförmigen Lilienstempeln und gerahmten, rautenförmigen Adlerstempeln im Wechsel gefüllt. Auf dem VD oben in goldener Schrift [...] Maria. VD mit vier Eckbeschlägen, ein Mittelbeschlag fehlt; HD nur mit einem Eckbeschlag, die restlichen fehlen. Auf dem VD zwei verzierte Schließenbeschläge, auf dem HD zwei (1961 erneuerte) Schließen; auf den Messingbeschlägen die Aufschrift Maria. R mit 4 Doppelbünden, Kapital und Schwanz mit Leder umstochen. Leder des R erneuert und mit Palmettenstempeln verziert. Stehkanten abgeschrägt. Signakel. Aus der gleichen Werkstatt stammt der Einband der Handschrift MS 74 der Universitätsbibliothek Graz.

G: Auftraggeber war Georg II. Überacker, Bischof von Graz-Seckau, im Jahr 1476, vgl. 1r: Anno domini millesimo quadringentesimo septuagesimo sexto vicesima quarta die mensis Octobris Reverendus in Christo pater et dominus dominus Georgius episcopus Seccoviensis genere Ueberaecker comparavit hunc presentem missalem librum in remedium et salutem anime sue. Auf dem Spiegel des HD ist der Restaurierungsbericht von E. Klee aus 1961 aufgeklebt, aus dem hervorgeht, dass der Buchrücken mit Ölfarbe überstrichen war. Das belegt die Herkunft aus der erzbischöflichen Hofbibliothek.

L: Hans Tietze, Die illuminierten Handschriften in Salzburg (Beschreibendes Verzeichnis der illuminierten Handschriften in Österreich 2 = Publikationen des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung). Leipzig 1905, 52 Nr.43; Fig. 24f. - Maria Mairold, Renaissance- und Barockeinbände des Stifts Seckau. Codices Manuscripti 1 (1975) 65-73, hier: 72. - Kurt Holter, Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian, in: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festgabe für Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter 40 (1986) 301-324. Wiederabgedruckt in: Holter 1996, II 1013-1036. - Christine Beier, Missalien massenhaft. Die Bämler-Werkstatt und die Augsburger Buchmalerei im 15. Jahrhundert. Codices Manuscripti H. 48/49 Textband [= Festschrift Gerhard Schmidt] (2004) 55-72; Tafelband (2004) 66-78, hier: 55, 66 f. (Abb. 30), 56 Anm. 9. - Beatrix Koll, Farbenpracht auf Pergament. Gotische Handschriften für die Salzburger Erzbischöfe an der Universitätsbibliothek Salzburg. Katalog zur Ausstellung der Universitätsbibliothek und des Dommuseums im DomQuartier Salzburg vom 14. November 2015 bis zum 6. Januar 2016. Luzern 2015, S. 54-55.

 

(Spiegel-VD) Notizen in Bastarda des späten 15. Jh.: S. Gracianus episcopus. Et famulum tuum antistitem nostrum cum omnibus ... Alte Signaturen A.N.26., III 2 B, 146, 12, V.1.H.12.

(1r) Eintrag des Auftraggebers Georg II. Überacker (siehe Sigle G). Ovaler Stempel der Salzburger Studienbibliothek.

(1v) Gebete in Bastarda des späten 15. Jh. Collecta pro episcopo (mit Secretum und Complenda), Collecta ad aspersionem (auch mit Angaben für Ostern und Pfingsten).

 

(2r-7v) LITURGISCHES KALENDAR.

Ausstattung und Aufbau: Rote und blaue KL-Initialen, Zahl der Monatstage nach dem römisch-julianischen und nach dem Mondkalender (Thorndike/Kibre 653,3) in roter Tinte; Littere feriarum (alle A als rote und blaue Lombarden im Wechsel), Numerus aureus und röm. Datum in roter Tinte. - Salzburger Kalendar, rot hervorgehoben u.a. Deposicio sancti Rudberti episcopi (27.3.), Erndrudis virginis (30.6.), Udalrici episcopi (4.7.), Translacio s. Ruodberti episcopi (24.9.), Dedicacio ecclesie Salczburgensis (25.9.), Translacio s. Virgilii episcopi (26.9.), Virgilii episcopi deposicio (27.11.).

 

(8ra-115vb) TEMPORALE: Dnca I.-IV. adv. dni. - Nat. dni. - Oct. nat. dni. - ... - Dncae in quadragesima. - Dnca in passione. - Dnca in palmis. - Coena dni. - Pascha. - Dnca in albis. - Ascensio dni. - Pentecostes. - ... - Trinitas. - Corpus Christi.

 

(115vb-116rb) Gloria und Credo. - (116rb-116vb) Gebete zur Oblation.

 

(116rb-118rb) Elf PRÄFATIONEN, mit den Angaben infra accionem und infra canonem. Nat. dni. ... de apostolis, cottidiana praefatio. Sanctus.

(118v-119r) unbeschrieben.

 

(119v) KANONBILD (siehe Sigle A).

(120r-126v) KANON. (120r-124r) Te igitur bis Doxologie. (124r-124v) Pater noster, Libera, Pax domini, Agnus dei. (124v) Vinculum pacis. (125r) Gebete zur Perceptio corporis et sanguinis. (126v) Gebet Placeat tibi sancta trinitas obsequuium.

 

(127ra-159ra) TEMPORALE: Dnca I. post oct. pent. - XXIV. post pentecostes u. Dnca proxima ante adv. dni.

(159ra-160va) Dedicatio ecclesiae.

 

(160va-214rb) SANKTORALE: Silvester ... Purif. BMV ... (169va) Depositio s. Ruperti ... (180va) Depositio s. Erentrudis ... (200r) Translatio Ruperti ... (201ra) Translatio s. Virgilii ... (213vb) Andreas. (214ra) Thomas.

 

(214rb-231vb) COMMUNE: Apostolus ... Virgines.

 

(231vb-244va) VOTIVMESSEN und Formulare für TRINITAS und MISSAE FERIALES (de sapientia, de spiritu sancto, de angelis, de caritate, de sancta cruce, de sancta Maria). (235vb) 14 Nothelfer, pro pace, pro salute vivorum, pro infirmis, pro quacumque tribulatione, pro iter agentibus, pro serenitate, pro pluvia, pro pestilentia, pro peccatis, de omnibus sanctis, pro vivis et defunctis, pro fidelibus defunctis, in anniversario, pro pluribus episcopis, pro sacerdote defuncto, pro pluribus sacerdotibus, pro fratribus et sororibus, pro patre et matre, pro eleemosinis, pro viro vel pro pluribus viris, pro femina vel pro pluribus feminis, pro viris vel feminis, pro fundatoribus, pro non consecutis poenitentiam, pro in cimiterio sepultis, contra thurcos vel paganos.

 

(244va-244vb) BENEDICTIO VINI SUPER AMOREM IOHANNIS (Weihe von Johanneswein).

(245ra-245rb) SEQUENTIA DE S. WOLFGANGO (AH 8/219, dort für den hl. Leonhardus), mit Oktav.

(245rb) Nachtrag in Bastarda des späten 15. Jh. von 2 Händen: ORATIONES: Deus regnorum omnium et Christiani maxime protector imperii ... Suscipe domine munera et preces ... Deus qui ad predicandum eterni regni ... Et famulum tuum antistitem nostrum cum omnibus ... Sch.: Finem vitae specta. V. C.

(245v) unbeschrieben.

 

(Spiegel-HD) Nachtrag in Bastarda des späten 15. Jh.: Introitus de patronis. Mit Sequenz, Offertorium, Secreta, Complenda und Completorium.

 

 

 

Abbildungen: 

 

8ra: Historisierte Initiale A mit Rankenwerk. Stigmatisierter Christus auf dem Regenbogen, mit Schwert und Lilie.

17va: Historisierte Initiale zu Christi Geburt.

93rb: Historisierte Initiale R zum Osterfest: Christus entsteigt dem Grab.

105rb: Historisierte Initiale V zu Christi Auferstehung.

108rb: Historisierte Initiale S zum Pfingstfest.

119v: Kanonbild.

124v: Medaillon: Schweißtuch mit dem Antlitz Christi.

127ra: Historisierte Initiale D zur Oktav nach Pfingsten: Christus mit Dornenkrone im Grab.

160vb: Historisierte Initiale S zum Fest des hl. Silvester.

214rb: Historisierte Initiale E: Apostel Petrus mit Schlüssel.

 

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