Universitätsbibliothek Salzburg

M II 17

BARTHOLOMAEUS DE MONTAGNANA

V.2.B.19(1). · Papier · 420 Bl. · (337-339) x 237 · Salzburg, 1471

B: Blatt 25 aus Pergament. Wasserzeichen: Pfeile (gekreuzt). Lagen: 35.VI420. Reklamanten, z.T. abgeschnitten; alte Lagenzählung 2us (37r) - ... xxxii (397r) jeweils am Lagenanfang. Zeitgleiche Foliierung (recto und verso) mit roter Tinte ii-ccclxxvi, zählt das Register nicht, fehlerhaft (springt von 292 auf 294). Neue Blattzählung.

S: Schriftraum zweispaltig: (221-230) x (144-148), Schriftraum mit Tinte gerahmt, 42-48 Zeilen. Bayrisch-österreichische Bastarda aus 1471 von der Hand des Regensburger Kanonikers Ulrich Sattner, Schreibernennung 376rb, Datierungen 19vb, 376rb und 399rb. Zahlreiche Zeigehände, teilweise mit einer Krone oder einer Bischofsmütze verziert. Ulrich Sattner nennt sich auch als Rubrikator im Wiegendruck W II 75, als Schreiber nachzuweisen in M I 37, M II 369 und M III 45, möglicherweise von M I 146.

A: Rote Überschriften, Auszeichnungsstriche, Unterstreichungen, Paragraphenzeichen, Foliierung, Folioangaben im Register, Explicit; rote und blaue 2-6zeilige (Perl-)Lombarden, Paragraphenzeichen im Register; 202va blaue Perllombarde mit roten geometrischen Ornamenten im Binnengrund, 217va und 228ra rot-blaue Perllombarde mit Ornamenten in Rot und Schwarz, 248rb blaue Perllombarde mit rote Ornamente und grünen Punkten im Binnengrund. 271ra Initiale I über 7 Zeilen, Buchstabenkörper rot-grün-blau mit Zeigefigur in Federzeichnung. Federzeichnungen: 261ra (Abbildung unten) auf einem eingeklebten Papierstreifen Löwe, Elefant, Schlange und Fuchs, beschriftet Ulrich Sattner, möglicherweise stammt auch die Federzeichnung selbst von seiner Hand, ebenso wie 273va (Abbildung unten): Buchstabe M in Rot-Grün-Blau, darüber in Federzeichnung Madonna mit Jesuskind, rechts davon Darstellung des Bischofs Bernhard von Rohr (gekennzeichnet durch sein Wappen und seine Devise). Zwei Spruchbänder. - 7ra Deckfarbeninitiale P über 7 Zeilen von Ulrich Schreier (Abbildung unten): Buchstabenkörper blassviolett mit Blattornamenten, im Binnengrund männliches Portrait in Grün, Außengrund weinrot mit goldenen Ornamenten, kleine Ausläufer vom Buchstabenkörper ausgehend. 25ra historisierte Deckfarbeninitiale E über 10 Zeilen von Ulrich Schreier (Abbildung unten): Buchstabenkörper blau mit Blattornamenten und Maske, im Vordergrund Geistlicher als Arzt mit Uringlas, Hintergrund punziertes Gold und Silber, eingeschrieben in einen grünen Rahmen. Vom Buchstabenkörper ausgehend Akanthusranken um den gesamten Schriftraum, oben mit Marienkrone über dem Buchstaben M, von einem Spruchband mit der Devise Unica spes mea 1471 durchflochten; unten Dudelsackspieler mit Vogel, Fuchs, Eichhörnchen, Hund und Vogel, links das Wappen des Erzstiftes Salzburg, rechts das Wappen Bernhards von Rohr; am rechten äußeren Blattrand Affe auf einer Ranke. Dazwischen aufgetropfte Goldpunkte.

E: Zeitgleicher spätgotischer Einband von Ulrich Schreier (Laurin, Gruppe I), 1960 restauriert: Braunes Leder (abgestoßen) über Holz mit Stempelverzierung, VD (Abbildung) und HD gleich: Dichte gesetzte Reihen von gerahmten Rosetten (Laurin I, Nr. 10) mit goldenen Punzen (Laurin I, Nr. 11) im Zentrum, zwischen den Rosetten kleine sechsblättrige Blüten (Laurin I, Nr. 7). Kanten mit Blüten Nr. 7 bestempelt. Am VD 2 ziselierte Schließenbeschläge (oben das Wappen des Erzstiftes Salzburg, unten das Wappen Bernhards von Rohr) und 5 ziselierte und durchbrochene Beschläge. Titelschildchen aus Pergament mit der Aufschrift Liber Consiliorum med[...] Bartholomei de Montiniana, darunter kleiner mit roter Tinte [...] de Montagnana. Am HD 2 Schließenbeschläge (mit je 2 Rosetten verziert), Schließenbänder erneuert. Beschläge wie auf dem VD. R mit 4 Doppelbünden, ursprünglich mit gelbgrauer Ölfarbe überstrichen, bei der Restaurierung Leder erneuert, alte Signatur der erzbischöflichen Hofbibliothek entfernt. Kapital und Schwanz mit rosa-blauen Fäden umstochen. Gelber Schnitt, unten bemalt mit Wolken und Tropfen, seitlich mit einer Blumenranke, oben mit einem Spruchband mit der Aufschrift Unica spes mea 1471. Sehr ähnlich sind die Einbände von M II 20 und W III 24.

G: Der Codex wurde 1471 in Auftrag gegeben vom Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr (1466-1481) und war somit Teil der erzbischöflichen Hofbibliothek. Am Vorderdeckel 2 ziselierte Schließenbeschläge, oben das Wappen des Erzstiftes Salzburg, unten das Wappen Bernhards von Rohr. Schreiber ist der aus Regensburg stammende Kanoniker Ulrich Sattner ("alioque agnomine Stokel"), der wohl auch die Federzeichnungen anfertigte. Künstler der Deckfarbeninitiale und Miniatur ist der Salzburger Buchmaler Ulrich Schreier, der auch den Einband gestaltete. - Beatrix Koll, Farbenpracht auf Pergament. Gotische Handschriften für die Salzburger Erzbischöfe an der Universitätsbibliothek Salzburg. Katalog zur Ausstellung der Universitätsbibliothek und des Dommuseums im DomQuartier Salzburg vom 14. November 2015 bis zum 6. Januar 2016. Luzern 2015, S. 42-43.

L: Hans Tietze, Die illuminierten Handschriften in Salzburg (Beschreibendes Verzeichnis der illuminierten Handschriften in Österreich 2 = Publikationen des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung). Leipzig 1905, 73 Nr.87. - Ingo Reiffenstein–Franz Viktor Spechtler, Erzbischof Bernhard von Rohr als Büchersammler. Zum Codex M II 96 der Universitätsbibliothek Salzburg. Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 109 (1969 [1970]) 95-104, hier: 96, 97. - Laurin, Gertraut: Zur Einbandkunst des Salzburger Illuminators Ulrich Schreier. Gutenberg-Jahrbuch (1959), S. 234-243. - Alois Haidinger, Verborgene Schönheit. Die Buchkunst im Stift Klosterneuburg. Katalog zur Sonderausstellung 1998 des Stiftsmuseums Klosterneuburg. Klosterneuburg 1998, 67. - Beatrix Koll, Farbenpracht auf Pergament. Gotische Handschriften für die Salzburger Erzbischöfe an der Universitätsbibliothek Salzburg. Katalog zur Ausstellung der Universitätsbibliothek und des Dommuseums im DomQuartier Salzburg vom 14. November 2015 bis 6. Januar 2016 (Buchmalerei des 15. Jahrhunderts in Mitteleuropa 12). Luzern 2015, 42 (Kat. 8), 43. - Franziska Amirov, Jüdisch-christliche Buchmalerei im Spätmittelalter. Aschkenasische Haggadah-Handschriften aus Süddeutschland und Norditalien. Berlin 2018, S. 156.
 

 

(Spiegel-VD) Ursprünglich auf den VD aufgeklebt, bei der Restaurierung abgelöst. Alte Signaturen: V.2.D.,169 (1), 91, D. 14, V.2.B.19(1). Am unteren Blattrand Notiz Regulas de balneo naturali (15. Jh.).

(1r) unbeschrieben bis auf Titel (17./18. Jh.) und alte Signatur.

(1va-6vb) unbeschrieben.

 

(7ra-23va) Register zum folgenden Werk. Üb.: Incipit registrum seu tabula in presentem librum Consiliorum medicinalium probatissimi doctoris medicine domini Bartholomei de Montignano etc. - Datierung 19vb: Hic finit Antidotarius Bartholomei 1471.

(23vb-24vb) unbeschrieben.

 

(25ra-376rb) BARTHOLOMAEUS DE MONTAGNANA: Consilia medica (Druck: Copinger 4342. Thorndike/Kibre 533,1).

Üb.: Incipit liber consiliorum medicinalium illustrissimi doctoris medicine domini Bartholomei de Montignano phisici peritissimi etc. Inc.: Ex hiis que mihi per litteram innotuerunt hec nobilis domina ... Expl.: ... datum in florido ac generali studio Paduano die prima May anno domini m° cccc° xlvii° etc. Sch.: Cuncta hec consilia in presenti libro conscripta sunt consumata per famosissimum arcium et medicine monarcham dominum et magistrum Bartholomeum de Montiniana alias de Montignana doctorem et celeberrimum ad laudem dei et salutem Christifidelium Amen. Ad laudem dei omnipotentis et honorem intemerate virginis Marie atque ad profectum morbosorum et male habencium reverendissimus in Christo pater et dominus dominus Bernhardus divina favente clemencia sancte Saltzeburgensis ecclesie archiepiscopus et apostolice sedis legatus etc. fecit et ordinavit precio et expensis suis prefata consilia medicinalia conscribere et in illud volumen redigere non per calamum elegantis littere sed per solicitam atque fidelem diligentiam comportacionis in unum cuiusdam presbiteri Ratisponensis sue reverendissime paternitatis capellani minimi Ulrici Sattner alioque agnomine Stokel vocitati. Pro quo tibi domine Ihesu Christe honor, laus sit et gloria per infinita secula seculorum anno domini m° cccc° lxxi° in vigilia ascensionis.

 

(376va-376vb) unbeschrieben.

 

(377ra-399rb) BARTHOLOMAEUS DE MONTAGNANA: Antidotarium.

Üb.: Incipit Anthidotarius secundum ordinem alphabeti celeberrimi medicine doctoris domini Bartholomei de Montiniana etc. Et primo de aquis. Inc.: Aqua sompnifera. Recipe papaveris nigri, iusquiami ... Expl.: ... et administretur cum albumine ovi. Sch.: Is liber feliciter hic finit 1471.

 

(399va-420vb) unbeschrieben.

 

 


 

Abbildungen: 

 

7ra: Deckfarbeninitiale P mit Maske von Ulrich Schreier.

25r: Historisierte Initiale E mit Deckfarben auf Blattgold und Silber. Arzt mit Uringlas (vermutlich Darstellung Bernhards von Rohr). Akanthusranken mit zoomorphen und anthropomorphen Motiven. Links das Wappen Salzburgs, rechts das des Erzbischofs Bernhard.

261ra: Federzeichnung: Löwe, Elefant, Schlange und Fuchs. Gezeichnet auf einem eingeklebten Papierstreifen, möglicherweise eine Arbeit des Schreibers Ulrich Sattner.

273va: Federzeichnung: Madonna mit Jesuskind, rechts davon Darstellung des Bischofs Bernhard von Rohr (gekennzeichnet durch sein Wappen und seine Devise). Wohl von der Hand Ulrich Sattners.

 

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 7ra

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25ra

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25r (Detail

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 261ra

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 273va

 

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© Universitätsbibliothek Salzburg, Mai 2004

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