Universitätsbibliothek Salzburg

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IOHANNES DE MORIGINATO

V.1.H.154 · Pergament · 87 Bl. · 244 x 181 · Salzburg, 1410

B: Pergament durchschnittlicher Qualität. Lagen: 5.V50 + (VI-2)60 + 2.V80 + (IV-1)87. Neue Blattzählung.

S: Schriftraum einspaltig: (178-186) x (132-134), Schriftraum mit Tinte gerahmt, rechte und linke Begrenzung mit Doppelstrichen, 31-34 Zeilen; Bastarda aus 1410 von Nicolaus Cancer de Cubito (wohl Loket/Elbogen in Böhmen), Datierung und Schreibernennung 85r: ...sub anno domini M°cccc°x° in die sancti Albani martiris gloriosi per manus Nicolay Cancri de cubito etc. Etwa zeitgleicher Nachtrag von einer zweiten Hand 85v-87r.

A: Rote Überschriften, Auszeichnungsstriche, Kapitelangaben am oberen Blattrand, 2-6zeilige (Perl-)Lombarden, z.T. mit kleinen Ornamenten. 8 Deckfarbenminiaturen: 15r historisierte Initiale O über 13 Zeilen (siehe Abb.): Buchstabenkörper rosa mit Blattornamenten, eingeschrieben in ein grünes Quadrat, Zwickel blau mit goldenen Ornamenten; im Binnengrund Christus auf doppeltem Regenbogen sitzend, zwei Schwerter vom Mund ausgehend, in der Rechten 7 Sterne, in der Linken ein Buch; flankiert von je 7 Lampen und Leuchten, Hintergrund blau. - 76r Federzeichnung mit Deckfarben (siehe Abb.): Madonna mit Kind, in der Linken eine weiße Lilie; rot-grüner Rahmen, 4 rote Kreuze und Kreuznägel in den Ecken; oben mit roter Tinte Alma Maria, unten ist der Namen Benedictus mit Tinte übermalt, darüber ist ein Name ausgekratzt. - 76v Federzeichnung mit Deckfarben (siehe Abb.): Madonna mit Kind, in der Rechten ein Rosenkranz; grün-gelber Rahmen, weitere Ausführung s. 76r. - 77r Federzeichnung mit Deckfarben: Madonna mit Kind und Weinrebe; blau-roter Rahmen, weitere Ausführung s. 76r. - 77v 2 Federzeichnungen mit Deckfarben: Madonna mit Kind und einem Zweig, auf dem eine Taube sitzt; grün-roter Rahmen. - Madonna mit Kind (siehe Abb.), in der Rechten Palmwedel mit Papagei; grün-gelber Rahmen, weitere Ausführung s. 76r. - 78v Federzeichnung mit Deckfarben: Madonna mit Kind und einem Busch Rosen, auf dem ein Adler sitzt; rot-grüner Rahmen, weitere Ausführung s. 76r. - 79r Federzeichnung mit Deckfarben: Madonna mit Kind, in der Linken einen Baum, darauf ein Pelikan, der sich die Brust aufschlitzt; blau-gelber Rahmen, weitere Ausführung s. 76r. - Bei allen Federzeichnungen ist der Name Benedictus mit Tinte übermalt und darüber ein anderer Name ausgekratzt. Auf 85r ist von einer mit dem Haupttext etwa zeitgleichen Hand Elpogen Benedictus vermerkt, möglicherweise handelt es sich um den Illuminator dieser Handschrift.

E: Restaurierter Einband aus 1960. Ursprünglich weißes Leder über Holz. An VD und HD je 5 Buckel, am VD 1 Messingstift, am HD 1 Schließe. R mit 3 Doppelbünden.

G: Der Codex stammt aus der erzbischöflichen Hofbibliothek und war im Besitz von Bernhard von Rohr (1466-1482 Erzbischof von Salzburg). 1r Besitzervermerk aus dem Jahr 1450: Iste liber est domini Pernhardi de Roer canonici regularis ecclesie Salczburgensis et est sibi presentatus in anno scilicet M°ccccl°. Beinahe durchgehend ist im Textverlauf der Name Ulricus (Auftraggeber?) entweder durch Rasur getilgt oder durch den Namen Rupertus ersetzt (an manchen Stellen ebenfalls getilgt), vgl. 21v, 32v, 34r, 41r, 45r etc. (Hinweis Claire Fanger). Möglicherweise kommt als Auftraggeber Ulrich Plankenfelser (1415-1420 Abt von St. Peter/Salzburg) in Frage, ob mit Rupertus Rupert Keutzl, 1466-1494 Abt von St. Peter (Profess 1443), gemeint ist, muss offen bleiben. Die Einteilung des Nachtragstextes 85v-86v in 12 Lektionen legt jedenfalls den Gebrauch in einem Benediktinerkloster nahe.

L: Hans Tietze, Die illuminierten Handschriften in Salzburg (Beschreibendes Verzeichnis der illuminierten Handschriften in Österreich 2 = Publikationen des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung). Leipzig 1905, 66 Nr.71; Fig.32. - E. Frisch, Mittelalterliche Buchmalerei. Kleinodien aus Salzburg. Wien 1949, S. 50ff. - Schmidt, Gerhard: Das Atelier der Grillinger-Bibel und seine Ausstrahlung nach Innerösterreich. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 42 (1989), S. 236. - Beier, Christine: Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Universitätsbibliothek Graz: Die illuminierten Handschriften 1400-1550 (= Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln in Österreich außerhalb der öst. Nationalbibliothek 1). Wien, 2010. Textband, S. 200. - Fanger, Claire / Watson, Nicholas: John of Morigny. Liber florum celestis doctrine. The flower of Heavenly Teaching (Studies and Texts 199). Toronto 2015. - Fanger, Claire: Rewriting Magic. An Exegesis of the Visionary Autobiography of a Fourteenth-Century French Monk. University Park 2015, S. 152. - Beatrix Koll, Farbenpracht auf Pergament. Gotische Handschriften für die Salzburger Erzbischöfe an der Universitätsbibliothek Salzburg. Katalog zur Ausstellung der Universitätsbibliothek und des Dommuseums im DomQuartier Salzburg vom 14. November 2015 bis zum 6. Januar 2016. Luzern 2015, S. 40-41.

 

(1r-85r) IOHANNES DE MORIGINATO: Liber visionum (Edition und englische Übersetzung des Prologes: John of Morigny, Prologue to Liber Visionum [c. 1304-1311] Translated, Edited, and Introduced by Claire Fanger and Nicholas Watson. In: Esoterica. The Journal of esoteric studies. Vol.  III.  East Lansing/ Michigan 1999- 2001).

Besitzervermerk am oberen Blattrand, siehe Sigle G. Üb.: Incipit liber apparicionum vel visionum beate et intemerate et sacratissime virginis Marie dei genitricis alma Maria procurante et revelante et supremo deo condedente. Inc.: Incipit liber beate Marie virginis gloriose, qui liber florum celestis doctrine dicitur ... (2v) Ego enim Iohannes dum essem circa etatem xii annorum ... Expl.: ... per signaculum annuli (sic) et figurarum. Amen. etc.etc. Sch.: Explicit liber visionum beate glorioseque virginis Marie sub anno domini M°cccc°x° in die sancti Albani martiris gloriosi per manus Nicolay Cancri de cubito [wohl Loket/Elbogen in Böhmen] etc. - Darunter ein etwa zeitgleicher Nachtrag: Elpogen Benedictus. Möglicherweise ist dieser Benedictus Elpogen der Illuminator dieser Handschrift, auf allen Mariendarstellungen ist der Name Benedictus mit schwarzer Tinte übermalt, oberhalb der Tilgung ist jeweils eine Rasur.

 

(85v-86v) LEKTIONES DE BMV (Einteilung in 12 Lektionen).

Üb.: De beata virgine. Inc.: Beata et gloriosa dei genitrix, virgo semper Maria, templum dei vivi ... Expl.: ... ut simus digni postrema luce beati. Amen.

 

(87r) EVANGELIUM sec. Iohannem (Ioh. 1,1-1,14).

(87v) unbeschrieben.

 


Abbildungen: 

 

15r: Historisierte Initiale O. Christus auf doppeltem Regenbogen.

76r: Maria mit Christuskind und Lilie.

76v: Maria mit Christuskind und Rosenkranz.

77v: Maria mit Christuskind, Papagei auf einem Palmzweig.

79r: Maria mit Christuskind, Pelikan mit Jungen im Nest.

 

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79r

85r: Schreibernennung und Datierung

11r: Hand des Nicolaus Cancer de Cubito

     

 

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Handschrift digitalisiert 2013

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