Die Graphiksammlung der Universitätsbibliothek Salzburg Die Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Salzburg verwahren in ihren Beständen auch einen beachtlichen Fonds von 564 Handzeichnungen und 1546 Druckgraphiken (Holzschnitte, Kupferstiche, Stahlstiche, Lithographien), zum Teil als Einzelblätter signiert, zum Teil als Bandgraphiken. Einen Großteil der älteren Blätter verdankt die Universitätsbibliothek dem kunstsinnigen Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1587-1612), der den Grundstock seiner Sammlung wohl bereits in jüngeren Jahren anlegte und von seinen zahlreichen Reisen Skizzen und Entwürfe aus italienischen Malerwerkstätten mitbrachte. Im Jahr 1930 ging man in der damaligen Studienbibliothek Salzburg daran, sechs sogenannte Klebebände (i.e. eine Art Album, deren leere Seiten mit Bildern beklebt wurden) mit mehreren hundert Zeichnungen und Graphiken bibliothekarisch aufzuarbeiten. Die Bände trugen das Supralibros des Salzburger Erzbischofs Hieronymus Colloredo von 1772 und waren offenbar angefertigt worden, um die losen Kunstblätter - allerdings ohne erkennbare Ordnung - zu vereinen. Ernst Ritter von Frisch (vgl. MGSL 91.1951), in den 30er Jahren Direktor der Studienbibliothek, legte die abgelösten Blätter dem Direktor der Albertina in Wien, Joseph Meder, zur Beurteilung vor und ließ sie innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren auch restaurieren. Ein weiterer Klebeband mit 148 Holzschnitten und Stichen sowie 14 Zeichnungen trug das Supralibros von Paris Lodron, das fachliche Gutachten ergab, dass der Grundstock des Ganzen aus der Zeit Wolf Dietrichs vor 1600 stammt und wohl manches auf seine Sammelaktivitäten zurückzuführen ist. Auch dem Salzburger Erzbischof Max Gandolph (1668-1687) sind etliche von den Bandgraphiken zuzuordnen, leicht erkennbar durch sein Supralibros. Durch Nachlässe und Ankäufe (bis ins 20. Jh.) erweiterte sich der Graphikbestand stetig. Erschlossen ist dieser Teil der Sondersammlungen durch den von Ernst Frisch im Jahr 1946 angelegten Katalog der Graphiken und Handzeichnungen (handgeschrieben, ursprünglich in Zettelform, 1981 xerokopiert, 7 Bände) - eine Bilddatenbank ist bibliothekarischer Wunschtraum der Zukunft ... Der Bestand der Druckgraphiken und Handzeichnungen ist in zwei Signaturenlisten online erfasst, zu einigen Werken sind bereits Abbildungen vorhanden.
Beatrix Koll, Jänner 2011 | ||||||||||||||||