CHRISTOPH BESOLD

(1577-1638)

 

 

Geboren am 22.9.1577 in Tübingen, aus lutherischer Familie; Vater: Hofgerichtsadvokat in Tübingen; ab 1591 Studium in Tübingen, zunächst in der philosophischen Fakultät, 1593 Magister; dann Studium der Rechte; aus der Studienzeit rührt seine Freundschaft mit Johannes Kepler; 23.8.1598 Promotion, Betätigung als Advokat am Hofgericht; 1600 Vermählung mit Barbara Breitschwert, der Tochter eines vermögenden badischen Beamten; 1610 Professor Pandectarum in Tübingen; 1614 bis 1635 siebenmal Rektor der Universität; 1622 und 1626 Inquisitionsverfahren gegen Besold, Vorwürfe: Fanatismus, Neigung zum Katholizismus. 1628 und 1629 verfasst Besold zwei im Ergebnis grundsätzliche Gutachten zur Frage, ob die württembergischen Klöster der katholischen Kirche zurückerstattet werden müssen oder ob sie beim Herzogtum Württemberg bleiben sollen, Besolds Meinungsänderung ist zu erklären durch das dazwischen ergangene Restitutionsedikt von 1629; 1630 wird Besold nach bis dahin kinderloser Ehe eine Tochter geboren; er tritt daraufhin, einem Gelöbnis entsprechend, zum Katholizismus über. Öffentlich bekannt macht er diesen Schritt aber erst 1635 nach Eintritt in die österreichisch-württembergische Regierung. Besolds Festhalten an der Forderung nach Rückgabe der Klöster an die Kirche macht ihn nun bei Österreich unbeliebt, da das klösterliche Gebiet ein Drittel des Herzogtums Württemberg ausmacht und Österreich einen solchen Verlust nicht will; 1636 nimmt Besold einen Ruf an die Universität in Ingolstadt als Professor des Codex und des Jus publicum an; zu seinem Titel als kurbayerischen Rats kommt 1638 noch der eines kaiserlichen Rats hinzu; er ist am 15.9.1638 in Ingolstadt gestorben.

 

Quelle: Kleinheyer, Gerd (Hrsg.): Deutsche und europäische Juristen

aus neun Jahrhunderten. Heidelberg 1996. S.56-57.

 

Die Büchersammlung Christoph Besolds an der Universitätsbibliothek Salzburg

 

Als eines der wichtigsten Ereignisse in der Anfangszeit der Salzburger Universitätsbibliothek wird der Ankauf der Bibliothek des Juristen Ch. Besold gesehen. 1649 wurden die 3820 Bände vom damaligen Rektor P. Alfons Stadelmayr für die Summe von 3150 Gulden aus dem Nachlass Besolds erworben. Das Verhältnis zwischen Druckschriften und Handschriften ist innerhalb der Besold-Bibliothek äußerst ungleich: Geht man von der Gesamtzahl von 3820 Bänden aus, stehen 3813 Drucken sieben Handschriften gegenüber. Besold versah fast jedes seiner Bücher mit einem Besitzervermerk und vermerkte in ihnen auch die Buchstabenfolge ATS + CTC (= Abrenuntio tibi Satana & coniungor tibi Christe) als sein Motto.

Ein Überblick über den thematischen Aufbau der Gesamtbibliothek ist abgedruckt bei A. J. Hammerle, Die Salzburger k.k. öffentliche Studien-Bibliothek in historisch-statistischer Beziehung.  Salzburg 1889, S.5f:

"Libri Philosophici et philologici (611 Werke), Libri Medic. et natur. (162), Libri histor. geograph. etc. (555), Libri Hispanici, Italici et Gallici (426), Catalogus librorum Theologicorum a Catholicis etenim adprobatorum (431), Catalogus librorum a Luteranis vel Calvinistis, aliisque editorum, qui Catholicis non adstipulantur. Contenens etenim Patres, aliosque vetustiores, non a Catholicis editos (ca. 488), Catalogus Librorum Hebronicorum vel ad Sanctam; aliasque Orientales Linguas spectantium (103), Catalogus Librorum Juristarum (740), Catalogus Librorum Politicorum (304 Werke)."

 

Die ersten großen Verluste entstanden durch den Zugriff der Franzosen während der Besatzung Salzburgs und durch die nachhaltigen Forderungen der Münchner Bibliothekare, als Salzburg zu Bayern gehörte. So befinden sich in der Bayerischen Staatsbibliothek noch heute mehrere alte Handschriften deutscher Mystiker, welche den Besitzervermerk Besolds tragen. Weitere Verluste aus dem Gebiet der schönen Literatur oder der Naturwissenschaft sind im vorigen Jahrhundert entstanden.

 

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M. Schickhart, Porträtstich  

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 Exlibris

 

Beatrix Koll, Februar 2002