Universität Salzburg    Online-Katalog    HOME

Universitätsbibliothek Salzburg - Abteilung für Sondersammlungen

 

Das Buch des Monats der Universitätsbibliothek Salzburg


Februar 2010: Wenzelspsalter. Prag, um 1395

  

Eisvogel

Beschreibung: Abbildungen:

Eine der schönsten Handschriften im Bestand der Universitätsbibliothek Salzburg ist der Wenzelspsalter, ein um 1395 entstandener Pergamentcodex. Der Auftraggeber dieses prunkvollen Werkes war König Wenzel IV. von Böhmen (1361-1419, Beiname "der Faule"), in dessen Prager Werkstätte auch die berühmte Wenzelsbibel geschrieben und gemalt wurde. Charakteristisch für diese Handschriften ist die Verwendung bestimmter buchmalerischer Motive, die auch das Salzburger Manuskript auszeichnen: Die Schmuckseite auf Blatt 1r (siehe Abb. rechts) zeigt uns die violette Initiale W mit Gefangenem, zweimal einen wilden Mann mit Helm, Speer und Wappen von Schlesien bzw. von Böhmen, ein Bademädchen mit Schaff sowie Eisvogel und Liebesknoten.

Der Inhalt dieses Buches ist eigentlich ein Wagnis, handelt es sich doch um einen in die Volkssprache übersetzten Bibeltext. Noch Kaiser Karl IV. bekräftigte für sein Herrschaftsgebiet 1369 das Übersetzungsverbot für die Vulgata. Karls Sohn und Nachfolger Wenzel jedoch setzte sich hierüber hinweg. Der Kommentar zu den Psalmen wurde vom Franziskaner Nicolaus von Lyra († 1349) in Latein verfasst und (vermutlich) vom sogenannten "Österreichischen Bibelübersetzer" ins Deutsche übertragen.

 

Signatur: M III 20. Vorbesitzer: Erzbischöfliche Hofbibliothek.

1r: Prolog zum Psalmenkommentar mit prachtvollen Illuminierungen

51v: Historisierte Initiale D, ein Blinder, der auf seine Augen weist

109v: Rahmenbordüre aus Blattgold und Pulvergold mit Eisvogel- und Badezuber-Motiv

136ra: Historisierte Initiale S, König David im Wasser stehend, darüber die Halbfigur Gott Vaters

214v: Historisierte Initiale D, Gott Vater und Christus thronend

232v: Fleuronnée-Initiale

zurück

Beatrix Koll, Februar 2010